Die Kritik an den Ticketpreisen für die Fußball-Weltmeisterschaft erreicht eine neue Eskalationsstufe: Mehrere europäische Verbraucherorganisationen haben offiziell Beschwerde gegen den Weltfußballverband eingelegt. Im Zentrum steht der Vorwurf, die FIFA nutze ihre marktbeherrschende Stellung aus, um Fans überhöhte Preise und intransparente Verkaufsbedingungen aufzuzwingen.
Konkret haben die Organisation Euroconsumers und Football Supporters Europe den Fall bei der Europäischen Kommission eingebracht. Sie werfen der FIFA vor, ein faktisches Monopol im Ticketvertrieb für die Weltmeisterschaft zu besitzen – und dieses gezielt auszunutzen. Aus Sicht der Verbraucherschützer führt diese Machtkonzentration dazu, dass Preise verlangt werden, die unter normalen Wettbewerbsbedingungen nicht durchsetzbar wären.
Romane Armangau, Sprecherin von Euroconsumers, formulierte den Vorwurf deutlich: Die FIFA halte wichtige Informationen zurück und setze Fans unter Druck, schnelle Kaufentscheidungen zu treffen. Dieses Vorgehen benachteilige insbesondere normale Fußballanhänger, die sich weder ausreichend informieren noch Preise vergleichen könnten.
Die Europäische Kommission hat den Eingang der Beschwerde inzwischen bestätigt. Nun beginnt die Prüfung nach den üblichen wettbewerbsrechtlichen Verfahren. Ob daraus eine formelle Untersuchung entsteht, ist derzeit offen. Sollte die Kommission jedoch zu dem Schluss kommen, dass ein Verstoß gegen EU-Wettbewerbsrecht vorliegt, drohen der FIFA weitreichende Konsequenzen – von Auflagen bis hin zu verpflichtenden Änderungen im Ticketverkaufssystem.
Besonders brisant ist der Vergleich mit der vergangenen Weltmeisterschaft in Katar: Die Preise für die WM 2026 liegen deutlich höher. Für ein Finalticket werden derzeit Beträge von über 4.000 US-Dollar aufgerufen – ein Niveau, das selbst langjährige Fans abschreckt. Verbraucherschützer warnen bereits, dass Großereignisse wie die WM zunehmend zu exklusiven Veranstaltungen für Wohlhabende werden.
FIFA-Präsident Gianni Infantino weist die Kritik hingegen zurück. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf seien notwendig, um den Fußball weltweit zu fördern und Entwicklungsprogramme zu finanzieren. Als Reaktion auf die wachsende Kritik hatte die FIFA Ende 2025 ein begrenztes Kontingent günstiger Tickets für rund 60 US-Dollar eingeführt. Doch diese Maßnahme gilt nur für eine kleine Anzahl von Plätzen – und wird von vielen Beobachtern eher als symbolischer Schritt gewertet.
Trotz der massiven Preisdebatte bleibt die Nachfrage ungebrochen hoch. In der jüngsten Verkaufsphase gingen laut FIFA mehr als eine halbe Milliarde Ticketanfragen ein. Diese enorme Nachfrage unterstreicht die globale Strahlkraft des Turniers – verschärft aber zugleich die Kritik: Denn sie stärkt die Position der FIFA, hohe Preise weiterhin durchsetzen zu können.
Damit steht nicht nur die Preisgestaltung der Weltmeisterschaft zur Debatte, sondern eine grundsätzliche Frage: Wie viel Kommerz verträgt der Fußball, ohne seine gesellschaftliche Basis zu verlieren? Die Entscheidung der EU-Kommission könnte in diesem Spannungsfeld richtungsweisend sein – weit über den Fußball hinaus.