Die italienische Musik verliert eine ihrer prägendsten Stimmen: Der Sänger und Liedermacher Gino Paoli ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Das bestätigte seine Familie. Mit ihm geht eine Ikone der italienischen Chanson- und Cantautore-Tradition, deren Lieder Generationen begleitet haben.
Paoli zählte zu den großen Erneuerern der italienischen Popmusik in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Seine Karriere begann mit dem Song „La tua mano“, doch der Durchbruch folgte 1960 mit „La gatta“ – einem Stück, das seinen poetischen Stil und seine unverwechselbare Stimme erstmals einem breiten Publikum präsentierte. Unsterblich wurde auch „Il cielo in una stanza“, das durch die Interpretation der Sängerin Mina internationale Bekanntheit erlangte.
Den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens erreichte Paoli in den 1960er-Jahren. Songs wie „Sapore di sale“ wurden zu Klassikern der italienischen Musikgeschichte – melancholisch, elegant und voller emotionaler Tiefe. In dieser Zeit arbeitete er eng mit der Sängerin Ornella Vanoni zusammen, mit der ihn auch privat eine Beziehung verband.
Doch hinter dem künstlerischen Erfolg verbargen sich persönliche Krisen. In den frühen 1960er-Jahren kämpfte Paoli mit Alkoholproblemen und überlebte einen Suizidversuch, bei dem er sich schwer verletzte. Die Kugel blieb lebenslang in seinem Körper – ein stilles Symbol für die Schattenseiten eines Lebens im Rampenlicht.
In den 1980er-Jahren gelang ihm ein bemerkenswertes Comeback. Mit Liedern wie „Una lunga storia d’amore“ knüpfte Paoli an frühere Erfolge an und bewies seine anhaltende künstlerische Relevanz. Gleichzeitig wandte er sich verstärkt der Politik zu: 1987 wurde er für die Kommunistische Partei Italiens ins italienische Parlament gewählt.
Gino Paoli hinterlässt ein musikalisches Erbe, das weit über Italien hinausstrahlt. Seine Lieder erzählen von Liebe, Sehnsucht und den Brüchen des Lebens – Themen, die zeitlos bleiben. Mit seinem Tod verliert Europa nicht nur einen großen Musiker, sondern auch einen sensiblen Chronisten menschlicher Gefühle.