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Solar-Crowdinvesting in Kolumbien: Ordnungsgemäße Mittelverwendung – aber erhöhte Risiken durch Struktur und Auslandsexponierung
Staatsanwaltschaft Fulda

Solar-Crowdinvesting in Kolumbien: Ordnungsgemäße Mittelverwendung – aber erhöhte Risiken durch Struktur und Auslandsexponierung

FuchZ23 (CC0), Pixabay

Die Mittelverwendungskontrolle zum Crowdinvesting-Projekt „Solarenergie für Kolumbien“ der Ongresso Energy AG liefert zunächst ein positives Signal: Die eingesammelten Anlegergelder wurden laut Bericht der Rödl Treuhand Hamburg GmbH ordnungsgemäß und vertragskonform verwendet.

Für Anleger bedeutet das jedoch nur eine formale Bestätigung – die wirtschaftliche Bewertung fällt deutlich differenzierter aus.

Formale Prüfung: Mittelverwendung bestätigt

Im Rahmen der Kontrolle nach § 5c Vermögensanlagengesetz wurde festgestellt:

  • Rund 373.000 Euro Anlegerkapital eingesammelt
  • Ein Großteil der Mittel planmäßig investiert
  • Zahlungsflüsse dokumentiert und vertraglich gedeckt
  • Keine Hinweise auf zweckwidrige Verwendung

Diese Feststellung ist aus rechtlicher Sicht zentral: Die Mittelverwendung entspricht den Vorgaben des Vermögensanlagen-Informationsblatts (BIB).

Wichtig:
Eine solche Bestätigung betrifft ausschließlich die korrekte Verwendung, nicht die wirtschaftliche Tragfähigkeit oder Sicherheit der Anlage.

Struktur des Investments: Mehrstufig und komplex

Das Investment folgt einem typischen Crowdinvesting-Modell mit mehreren Ebenen:

  1. Anleger gewähren ein Nachrangdarlehen an die Emittentin
  2. Weitergabe als Gesellschafterdarlehen an ein Joint Venture in Kolumbien
  3. Einsatz der Mittel für Solarprojekte vor Ort
  4. Rückzahlung über Erlöse aus Stromabnahmeverträgen

Diese Struktur ist rechtlich zulässig, erhöht aber die Komplexität.

Kritischer Punkt:
Anleger haben keinen direkten Zugriff auf die Projektgesellschaft oder die Anlagen – sie sind vollständig von der Zahlungsfähigkeit der Emittentin abhängig.

Nachrangdarlehen: Zentrales Risiko

Wie bei vielen Crowdinvesting-Projekten handelt es sich um ein Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre.

Das bedeutet:

  • Rückzahlung erst nach anderen Gläubigern
  • Im Krisenfall droht Totalverlust
  • eingeschränkte Durchsetzungsmöglichkeiten

Diese Konstruktion ist ein wesentliches Risiko – insbesondere für Privatanleger.

Projekt selbst: Erneuerbare Energie mit Potenzial

Positiv hervorzuheben ist das zugrunde liegende Geschäftsmodell:

  • Bau mehrerer Photovoltaikanlagen in Kolumbien
  • langfristige Stromabnahmeverträge (10–15 Jahre)
  • Abnehmer sind etablierte Unternehmen wie Energieversorger und Handelskonzerne

Diese Faktoren sprechen grundsätzlich für eine planbare Einnahmestruktur.

Auch die EPC-Verträge (schlüsselfertige Bauverträge) reduzieren technische Risiken, da der Auftragnehmer Planung, Bau und Betrieb übernimmt.

Auslandsrisiko: Entscheidender Faktor

Ein wesentlicher Risikotreiber liegt im Standort Kolumbien:

  • politische und regulatorische Unsicherheiten
  • Währungsrisiken (Einnahmen in lokaler Währung)
  • Durchsetzung von Ansprüchen im Ausland erschwert

Für Anleger bedeutet das: Selbst bei funktionierendem Projekt können externe Faktoren die Rückzahlung beeinflussen.

Kapitalverwendung: Noch nicht vollständig investiert

Auffällig ist zudem:

  • Rund 96.000 Euro der eingesammelten Mittel sind noch nicht investiert
  • Ein Teil davon befindet sich noch in der Widerrufsphase

Das ist nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass sich das Projekt noch in einer frühen Umsetzungsphase befindet.

Kostenstruktur: Relevanter Anteil für Gebühren

Ein weiterer Punkt aus Anlegersicht:

  • Rund 28.000 Euro wurden für Gebühren (Plattform, Vermittlung, Kontrolle) verwendet

Das entspricht einem nicht unerheblichen Anteil des eingesammelten Kapitals.

Einordnung:
Diese Kosten sind branchenüblich, reduzieren aber das tatsächlich investierte Kapital.

Kritische Gesamtbewertung

Das Projekt kombiniert mehrere typische Crowdinvesting-Risikofaktoren:

Risiken:

  • Nachrangdarlehen (Totalverlustrisiko)
  • mehrstufige Struktur
  • Abhängigkeit von Konzern- und Projektgesellschaft
  • Auslandsexponierung (Kolumbien)
  • Währungs- und politische Risiken

Chancen:

  • wachsender Markt für erneuerbare Energien
  • langfristige Stromabnahmeverträge
  • technisch klar definiertes Projekt
  • bisher planmäßige Umsetzung
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