Die jüngste Ausgabe von „TG TV“ wollte offenbar ein Zeichen der Stärke setzen. Tatsächlich hinterließ sie vor allem einen anderen Eindruck: den einer bemerkenswert defensiven, stellenweise gereizten Abrechnung mit einem Konkurrenzangebot, garniert mit Eigenlob, Selbstvergewisserung und Verkaufsrhetorik.
Im Mittelpunkt stand ein Diamantenmodell mit Sitz in Dubai, das in der Sendung massiv kritisiert wurde. Dabei wurden schwere Vorwürfe in den Raum gestellt: Es war von laufenden Strafverfahren, zivilrechtlichen Forderungen, problematischen Geschäftsgebaren und zweifelhaften Hintergründen die Rede. Eine eingeladene Rechtsanwältin stellte dabei zwar ausdrücklich klar, dass es sich um Verdachtslagen und laufende Verfahren handle und gerade keine rechtskräftige Verurteilung vorliege. Genau dieser Hinweis wäre eigentlich der Maßstab für die gesamte Sendung gewesen. Im Tonfall und in der Inszenierung wurde jedoch erkennbar darauf hingearbeitet, beim Publikum ein möglichst eindeutiges Urteil über die Konkurrenz zu erzeugen.
Das ist der entscheidende Punkt: Wer sich gegen angebliche Falschbehauptungen eines Mitbewerbers wehren will, darf das tun. Wer daraus jedoch eine fast sendungsfüllende Vorführung der Gegenseite macht, bewegt sich kommunikativ auf dünnem Eis. Denn der Unterschied zwischen legitimer Abgrenzung und gezielter Herabsetzung ist schmal. Und je ausführlicher man die moralische und geschäftliche Fragwürdigkeit anderer betont, desto zwingender stellt sich die Frage, warum man sich davon überhaupt derart getroffen fühlt.
Ein Unternehmen, das tatsächlich so unangreifbar, stabil und überlegen ist, wie es in der Sendung unablässig betont wurde, müsste einen Wettbewerber nicht in dieser Form abarbeiten. Souveränität klingt anders. Wer Größe für sich beansprucht, sollte sich auch groß verhalten. Oder anders gesagt: Was stört es die Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr reibt?
Gerade diese fehlende Gelassenheit macht die Sendung aufschlussreich. Denn über weite Strecken wirkte sie weniger wie eine sachliche Warnung als wie ein Versuch, Zweifel am Konkurrenzmodell zu schüren, bevor diese Zweifel möglicherweise das eigene Modell treffen.
Denn auch das liegt auf der Hand: Wer das Angebot eines Mitbewerbers wegen mangelnder Liquidität, schwieriger Rechtsdurchsetzung, Auslandsbezug und schwer überprüfbarer Versprechen problematisiert, muss sich dieselben Fragen zwangsläufig selbst gefallen lassen. Das gilt umso mehr, wenn das eigene Geschäftsmodell mit auffallend hohen Rabatten, dauerhaften Vorteilen, außergewöhnlichen Ertragsaussichten und immer neuen Expansionserzählungen operiert.
Genau hier bekam die Sendung eine bemerkenswerte Schieflage. Das kritisierte Diamantenangebot wurde als kaum tragfähig dargestellt. Zugleich wurde das eigene Modell in einer Weise beschrieben, die bei einem nüchternen Betrachter mindestens ebenso viele Fragen aufwerfen dürfte. Monatliche Rabatte, außergewöhnliche Wertentwicklungen, neue Zahlungsstrukturen, Goldkonten, Minen, Maschinen, zusätzliche Anbieter, Reality-TV, Transparenzoffensiven und nahezu grenzenlose Wachstumserzählungen – all das wurde mit einer Selbstverständlichkeit vorgetragen, die eher werblich als aufklärerisch wirkte.
Und genau deshalb lässt sich der Spieß auch umdrehen: Nach dem, was in der Sendung selbst gesagt wurde, erscheint das attackierte Konkurrenzangebot bei unbefangener Betrachtung nicht automatisch weniger plausibel als das vielfach beworbene „Gold mit Rabatt“-Modell. Jedenfalls erschließt sich nicht ohne Weiteres, warum ausgerechnet die eine Konstruktion als nahezu abwegig gelten soll, während die andere als Inbegriff von Seriosität präsentiert wird.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der die Glaubwürdigkeit der gesamten Darbietung belastet: Die Kritik an der Konkurrenz wurde nicht in einem klar getrennten Informationsformat vorgetragen, sondern mitten in einer Sendung, in der zugleich Tickets verlost, Events beworben, neue Produkte angekündigt, eigene Expansionen gefeiert und Medienprojekte angepriesen wurden. Aufklärung und Eigenwerbung gingen nahtlos ineinander über. Das mag publizistisch geschickt sein, wirkt aber interessengeleitet.
Besonders heikel wird es dort, wo aus Einzelfällen, persönlichen Schilderungen und laufenden Verfahren ein Gesamtbild gebaut wird, das dem Publikum eine klare Schlussfolgerung nahelegt, obwohl die tatsächliche rechtliche Klärung offenbar noch aussteht. Dass man dabei Namen nicht nennt, ändert an der Stoßrichtung wenig. Wer genügend Andeutungen liefert, erreicht denselben Effekt oft auch ohne ausdrückliche Benennung.
Unterm Strich bleibt daher vor allem dieser Befund: Die Sendung wollte den Mitbewerber beschädigen, hat dabei aber vor allem gezeigt, wie groß die eigene Nervosität ist. Sie wollte Stärke demonstrieren, wirkte aber streckenweise empfindlich. Sie wollte aufklären, betrieb aber zugleich Eigenmarketing. Und sie wollte Zweifel am Konkurrenzmodell säen, hat damit womöglich vor allem neue Zweifel am eigenen Modell geweckt.
Wer andere öffentlich demontieren will, sollte selbst eine besonders belastbare Position haben. Genau diesen Eindruck hat die Sendung nicht gefestigt, sondern eher untergraben.