Die finanzielle Lage vieler Verbraucher in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nach aktuellen Einschätzungen der Schufa verfügen insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen zunehmend über keine ausreichenden finanziellen Reserven mehr. Steigende Lebenshaltungskosten, vor allem im Energiebereich, sowie eine deutliche Zunahme von Kleinkrediten und Zahlungsausfällen prägen das Bild.
Kaum Puffer für steigende Kosten
Besonders betroffen sind Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2000 Euro. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe gibt an, keinerlei Rücklagen mehr zu besitzen, um Preissteigerungen abzufedern. Doch auch in der mittleren Einkommensgruppe zwischen 2000 und 4000 Euro berichtet rund ein Drittel von fehlenden finanziellen Reserven.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die gestiegenen Energiepreise. Höhere Ausgaben für Strom, Heizung und Kraftstoff schmälern das frei verfügbare Einkommen erheblich. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich diese Kostensteigerungen auf weitere Lebensbereiche übertragen und die Belastung zusätzlich verstärken.
Boom bei Kleinkrediten
Auffällig ist zudem der starke Anstieg sogenannter Kleinkredite unter 1000 Euro. Während im Jahr 2020 noch rund 1,4 Millionen solcher Kredite vergeben wurden, lag die Zahl 2024 bereits bei nahezu fünf Millionen. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass viele Verbraucher kurzfristige Finanzierungslücken zunehmend über kleine Darlehen schließen.
Mehr Zahlungsausfälle
Parallel dazu steigt die Zahl der Zahlungsausfälle. Im Jahr 2025 verzeichnete die Schufa rund 650.000 Personen mit erstmals gemeldeten Zahlungsstörungen – ein Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie entspricht das sogar einem Plus von über 25 Prozent. Auch für das Jahr 2026 wird eine Fortsetzung dieses Trends erwartet.
Eine Zahlungsstörung wird dabei nicht leichtfertig erfasst: Erst wenn eine Forderung über längere Zeit offen bleibt und mehrfach angemahnt wurde, erfolgt eine Meldung.
Mehr Transparenz beim Schufa-Score
Vor dem Hintergrund anhaltender Kritik hat die Schufa ihr Bewertungssystem grundlegend überarbeitet. Der neue Score basiert auf zwölf klar definierten Kriterien, deren Gewichtung offengelegt ist. Verbraucher können ihren Score nun nachvollziehen und sogar selbst berechnen.
Zusätzlich wurde ein digitaler Zugang eingeführt, über den Nutzer kostenlos ihre gespeicherten Daten, ihren Score sowie die zugrunde liegenden Faktoren einsehen können. Ziel ist es, die bisher häufig kritisierte Intransparenz zu beseitigen.
Was Verbraucher jetzt tun können
Angesichts der angespannten Lage empfiehlt die Schufa vor allem finanzielle Disziplin und Übersicht:
- Rechnungen möglichst fristgerecht begleichen
- Einnahmen und Ausgaben regelmäßig kontrollieren
- Bei finanziellen Engpässen frühzeitig das Gespräch mit Gläubigern suchen
- Beratungsangebote, etwa von Verbraucherzentralen, nutzen
Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich: Für viele Haushalte wird finanzieller Spielraum zunehmend zur Ausnahme – und umsichtiges Haushalten wichtiger denn je.