Viele Menschen kennen das Problem: Das Telefon klingelt, auf dem Display erscheint eine unbekannte oder offensichtlich manipulierte Nummer – und am anderen Ende meldet sich ein angeblicher Gewinnspielanbieter, Energieberater oder Finanzdienstleister. Ein Hörer von MDR AKTUELL wollte solche Anrufe melden, stieß dabei jedoch auf unerwartete Hürden. Denn das Meldeverfahren bei der Bundesnetzagentur verlangt zahlreiche Details, die nicht jeder sofort parat hat.
Hohe Anforderungen an die Beweisführung
Wer einen unerlaubten Werbeanruf oder Spam-Anruf melden möchte, nutzt in der Regel ein Online-Formular der Behörde. Technisch betrachtet handelt es sich dabei um die Anzeige einer möglichen Ordnungswidrigkeit. Im Anschluss kann die Bundesnetzagentur ein Bußgeldverfahren einleiten.
Die Anforderungen an solche Verfahren sind jedoch hoch. Die Behörde muss den gesamten Tathergang möglichst genau nachweisen können. In Bußgeldverfahren gelten dabei Beweisstandards, die teilweise mit denen im Strafrecht vergleichbar sind. Der mutmaßliche Täter muss selbst nicht zur Aufklärung beitragen und kann zum Vorwurf vollständig schweigen.
Aus diesem Grund verlangt das Meldeformular sehr präzise Angaben: Neben der Telefonnummer müssen auch Datum und Uhrzeit des Anrufs möglichst minutengenau dokumentiert werden. Bei unerlaubten Werbeanrufen sind zusätzlich weitere Informationen erforderlich – etwa der Name des Gesprächspartners, der Inhalt des Gesprächs oder ob es zuvor oder danach weitere Kontakte gab.
Für ältere Menschen oft eine Hürde
Gerade für ältere Menschen oder weniger technikaffine Nutzer kann dieser Aufwand zur Herausforderung werden. Viele Betroffene wissen beispielsweise nicht mehr genau, zu welcher Uhrzeit ein Anruf eingegangen ist oder welche Details im Gespräch gefallen sind.
Auch die Bedienung der Online-Formulare selbst kann kompliziert wirken. Dadurch verzichten manche Betroffene darauf, eine Beschwerde einzureichen – obwohl sie regelmäßig von solchen Anrufen belästigt werden.
Alternative Wege zur Beschwerde
Wer mit dem Online-Formular Schwierigkeiten hat, kann sich auch auf anderen Wegen an die Bundesnetzagentur wenden. Beschwerden sind ebenfalls per E-Mail oder klassisch per Brief möglich. Wichtig ist dabei, die verfügbaren Informationen so genau wie möglich zu dokumentieren.
Hilfreich kann es sein, direkt nach einem verdächtigen Anruf Notizen zu machen oder einen Screenshot der Anrufliste zu speichern. Diese Informationen erleichtern später eine Meldung.
Meldungen können Wirkung zeigen
Trotz des Aufwands kann sich eine Beschwerde lohnen. Die Bundesnetzagentur geht regelmäßig gegen unerlaubte Telefonwerbung und Callcenter vor. Für Unternehmen können sich die Bußgelder schnell summieren und mehrere Hunderttausend Euro erreichen.
Die Behörden hoffen daher weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Denn nur wenn Spam-Anrufe gemeldet werden, können Ermittlungen aufgenommen und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.