Für viele Menschen gehören Reisen ins östliche Mittelmeer oder in den Nahen Osten zu den beliebtesten Möglichkeiten, dem wechselhaften Frühlingswetter in Deutschland zu entkommen. Doch kurz vor den Osterferien sorgt die angespannte Sicherheitslage in mehreren Regionen für Unsicherheit. Wer einen All-inclusive-Urlaub in Ägypten, eine Kreuzfahrt durch die Ägäis oder einen Flug mit Umstieg im Nahen Osten geplant hat, stellt sich derzeit viele Fragen: Ist die Reise noch sicher? Kann man kostenfrei stornieren? Und lohnt sich jetzt noch eine Reiseversicherung?
Nach Angaben des Auswärtiges Amt wurden zuletzt mehrere Reisehinweise und Teilreisewarnungen aktualisiert. Hintergrund sind militärische Zwischenfälle, Drohnenangriffe sowie Einschränkungen im Flugverkehr.
Ein Beispiel für die aktuelle Sicherheitslage ist die Türkei. Anfang März wurde laut türkischem Verteidigungsministerium ein aus dem Iran abgefeuertes ballistisches Geschoss über türkischem Staatsgebiet abgefangen. Daraufhin hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise angepasst. Von nicht notwendigen Reisen in Grenzregionen zu Iran, Irak und Syrien wird derzeit abgeraten. Betroffen sind unter anderem die Provinzen Ağrı, Iğdır, Van, Şanlıurfa, Mardin, Şırnak und Hakkâri. Klassische Urlaubsregionen an der Mittelmeerküste gelten hingegen weiterhin als vergleichsweise sicher.
Auch für Zypern wurden die Hinweise verschärft. Nach einem Drohnenangriff auf die britische Militärbasis Akrotiri Anfang März warnen Behörden vor möglichen weiteren sicherheitsrelevanten Vorfällen. Einschränkungen im Reiseverkehr können daher nicht ausgeschlossen werden.
Viele Deutsche verbringen ihre Osterferien traditionell in Ägypten, etwa in Badeorten am Roten Meer. Für das Land gilt derzeit eine Teilreisewarnung. Das Auswärtige Amt rät insbesondere von Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel, in das Grenzgebiet zwischen Ägypten und Israel – mit Ausnahme des Grenzübergangs Taba – sowie in entlegene Gebiete der Sahara ab. Zudem wird von individuellen Ausflügen oder längeren Überlandfahrten im südlichen Sinai abgeraten.
Auch im Kaukasus kam es zuletzt zu sicherheitsrelevanten Vorfällen. In Aserbaidschan wurde Anfang März ein Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen Nachitschewan gemeldet. Weitere Zwischenfälle oder Störungen im Flugverkehr können laut Behörden nicht ausgeschlossen werden. Deshalb gilt eine Teilreisewarnung für die Region Karabach sowie für das gesamte Grenzgebiet zu Armenien.
Für mehrere Staaten im Nahen Osten bestehen derzeit umfassende Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Dazu zählen unter anderem Israel, Jordanien, Iran, Libanon und Syrien. Auch für die Vereinigten Arabischen Emirate mit den Städten Dubai und Abu Dhabi bestehen aktuell Warnungen. Durch die angespannte Lage wurden teilweise Lufträume gesperrt oder Flugrouten geändert, was insbesondere Reisende betrifft, die auf dem Weg nach Asien einen Zwischenstopp in der Region eingeplant haben.
Deutlich entspannter ist die Situation derzeit in Griechenland. Für das Land gibt es aktuell keine Hinweise des Auswärtigen Amtes auf sicherheitsrelevante Risiken im Zusammenhang mit den Konflikten im Nahen Osten. Auch Kreuzfahrten durch die Ägäis gelten nach aktuellem Stand weiterhin als möglich.
Viele Urlauber fragen sich nun, ob sie ihre Reise stornieren können, ohne dafür Gebühren zahlen zu müssen. Der Reiserechtsexperte Marcus Hoffmann erklärt, dass Pauschalurlauber grundsätzlich jederzeit von einer Reise zurücktreten können. Entscheidend sei jedoch, ob eine Stornogebühr anfällt. Liegt eine offizielle Reisewarnung vor, darf der Reiseveranstalter in der Regel keine Entschädigung verlangen. In diesem Fall gelten die Umstände als außergewöhnlich und unvermeidbar, wodurch die Reise erheblich beeinträchtigt wird.
Anders sieht es bei bloßen Reisehinweisen aus. Dann muss im Einzelfall geprüft werden, ob tatsächlich eine erhebliche Gefährdung besteht. Ein allgemeines Unsicherheitsgefühl oder Angst reichen laut Experten in der Regel nicht aus, um eine Reise kostenfrei zu stornieren.
Für Urlauber bedeutet das: Wer in den Osterferien verreisen möchte, sollte die aktuelle Sicherheitslage genau verfolgen und die Hinweise des Auswärtigen Amtes regelmäßig prüfen. In vielen Fällen bleibt die Reise möglich – doch gerade bei Zielen im Nahen Osten kann sich die Lage derzeit schnell ändern.