Der Jahresabschluss 2024 der Windpark Bertikow GmbH & Co. KG zeigt auf den ersten Blick eine positive Entwicklung: Die Umsatzerlöse steigen deutlich, und das Unternehmen weist einen Jahresüberschuss aus. Aus Anlegersicht lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Kapitalstruktur – denn diese bleibt angespannt.
Operative Entwicklung verbessert sich
Die Umsatzerlöse klettern von rund 720.000 Euro im Jahr 2023 auf 950.078 Euro im Jahr 2024. Nach einem Nullumsatz im Jahr 2022 ist das eine klare operative Stabilisierung. Der Windpark scheint inzwischen im regulären Betrieb angekommen zu sein.
Der Jahresüberschuss beträgt 94.801 Euro. Das ist grundsätzlich positiv, zumal im Vorjahr noch kein ausgewiesenes Eigenkapital vorhanden war. Allerdings wird der Überschuss nicht zur Stärkung der Substanz genutzt, sondern größtenteils zur Verrechnung mit Verlustvorträgen und offenen Einlagen.
Eigenkapital bleibt extrem niedrig
Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt zum 31.12.2024 lediglich 82.388 Euro bei einer Bilanzsumme von 7,23 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei rund 1,1 Prozent – ein sehr niedriger Wert.
Im Vorjahr war das Eigenkapital faktisch bei null, da Verlustanteile der Kommanditisten nicht durch Vermögenseinlagen gedeckt waren. 2024 wird dieser Zustand formal bereinigt, doch die Kapitalbasis bleibt minimal.
Besonders auffällig ist, dass von 100.000 Euro Kapitalanteilen nur 82.388 Euro tatsächlich eingefordert sind. 17.611 Euro bleiben weiterhin ausstehend. Das zeigt, dass selbst die Kommanditisten ihr Kapital noch nicht vollständig eingebracht haben.
Hohe Verschuldung prägt die Bilanz
Die Verbindlichkeiten betragen 7,12 Mio. Euro – bei einer Bilanzsumme von 7,23 Mio. Euro. Das Unternehmen ist damit nahezu vollständig fremdfinanziert.
Zwar sind die Schulden gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken (von 7,48 Mio. Euro), doch die langfristigen Verpflichtungen bleiben hoch. Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren betragen 4,62 Mio. Euro.
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten steigen dagegen deutlich auf 786.000 Euro (Vorjahr: 293.000 Euro). Das erhöht den kurzfristigen Liquiditätsbedarf.
Liquidität solide, aber nicht komfortabel
Die liquiden Mittel betragen rund 292.000 Euro. Zusammen mit Forderungen ergibt sich ein Umlaufvermögen von knapp 990.000 Euro. Das ist im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten ausreichend, aber nicht großzügig.
Ein gewisser Unsicherheitsfaktor sind Forderungen gegen Gesellschafter in Höhe von rund 301.000 Euro. Solche Forderungen sind bilanziell zulässig, bergen aber aus Anlegersicht stets ein gewisses Rückzahlungsrisiko.
Bilanzsumme leicht rückläufig
Die Bilanzsumme sinkt von 7,50 Mio. Euro auf 7,23 Mio. Euro. Gleichzeitig reduziert sich das Anlagevermögen moderat durch planmäßige Abschreibungen – ein normaler Vorgang im Lebenszyklus eines Windparks.
Fazit aus Anlegersicht
Der Windpark Bertikow zeigt 2024 eine operative Verbesserung und einen positiven Jahresüberschuss. Das Geschäftsmodell scheint grundsätzlich tragfähig zu sein.
Die größte Schwäche bleibt jedoch die Kapitalstruktur. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 1 Prozent ist die Gesellschaft extrem dünn kapitalisiert. Schon kleinere Ertragsschwankungen – etwa durch windschwache Jahre, technische Probleme oder Marktpreisänderungen – könnten die Substanz erneut aufzehren.
Positiv ist, dass keine massiven zusätzlichen Schulden aufgenommen wurden und sich die Erlöse stabilisieren. Dennoch bleibt das Risikoprofil hoch, weil das Unternehmen stark gehebelt finanziert ist.
Für Anleger bedeutet das: Operativ verbessert, bilanziell weiterhin fragil. Die langfristige Tragfähigkeit hängt maßgeblich davon ab, dass der Windpark über Jahre hinweg stabile Cashflows erwirtschaftet und die Verschuldung schrittweise reduziert wird.