Der prominente venezolanische Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa ist erneut in Haft – diesmal in Form von Hausarrest. Nur zwei Tage nach seiner Freilassung aus einem Gefängnis in Caracas wurde der 61-Jährige von bewaffneten Männern festgenommen und in seine Wohnung gebracht, wo er nun mit einer elektronischen Fußfessel überwacht wird. Die erneute Inhaftierung wirft Fragen über die Glaubwürdigkeit der jüngst angekündigten Amnestiebemühungen der venezolanischen Regierung auf.
Guanipas Sohn Ramón bestätigte über die sozialen Medien seines Vaters, dass die Familie erleichtert sei, bald wieder vereint zu sein. Zugleich betonte er, Hausarrest bleibe eine Form der Gefangenschaft. „Wir fordern seine vollständige Freiheit und die aller politischen Gefangenen“, schrieb er. Ein später veröffentlichtes Foto zeigt Guanipa sitzend in seinem Zuhause, sichtbar mit einer Fußfessel versehen. Sein Bruder Tomás bestätigte die Echtheit der Aufnahme.
Nach Angaben von Angehörigen und Parteifreunden war Guanipa am Sonntagabend nur wenige Stunden nach seiner Entlassung von einer Gruppe schwer bewaffneter Männer in Zivil abgeführt worden. Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado sprach von einer „Entführung“. Rund zehn Männer ohne erkennbare Identifikation hätten ihn in Caracas gewaltsam festgenommen.
Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, Guanipa habe gegen Auflagen seiner Freilassung verstoßen. Innenminister Diosdado Cabello warf ihm vor, die Bevölkerung zu Protesten aufgerufen zu haben. Politische Gefangene würden häufig unter strengen Auflagen entlassen, erläuterte der Menschenrechtsanwalt Gonzalo Himiob von der Organisation Foro Penal. Dazu gehörten Reiseverbote, regelmäßige Gerichtstermine oder Redeverbote. Rechtlich blieben die Verfahren bestehen – eine vollständige Freiheit sei das nicht.
Guanipa, führendes Mitglied der konservativen Partei Primero Justicia, war im Mai 2025 wegen angeblicher Beteiligung an einem „Terrorplan“ im Vorfeld regionaler Wahlen festgenommen worden. Beweise wurden nicht öffentlich vorgelegt, die Vorwürfe wies er stets zurück. Nach über acht Monaten Haft war er am Sonntag freigekommen und hatte kurz darauf erklärt, es gebe „viel über Gegenwart und Zukunft Venezuelas zu besprechen“.
Seine erneute Festsetzung überschattet die jüngsten politischen Entwicklungen im Land. Nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte im vergangenen Monat hatte dessen bisherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez mit Unterstützung Washingtons die Führung übernommen. Im Gegenzug stellte Caracas unter anderem die Freilassung politischer Gefangener in Aussicht.
Tatsächlich wurden laut Foro Penal bislang mehr als 380 Häftlinge entlassen, während die Regierung von über 800 Freilassungen spricht. Menschenrechtsgruppen schätzen jedoch, dass weiterhin Hunderte politische Gefangene in Haft sitzen. Die Opposition bezweifelt daher die Ernsthaftigkeit des angekündigten Versöhnungsprozesses. Guanipas Fall zeige, so Kritiker, wie fragil und widersprüchlich die angekündigte Amnestie sei.