Der Iran hat die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi zu mehr als sieben zusätzlichen Jahren Gefängnis verurteilt. Wie ihre Unterstützer am Sonntag mitteilten, wurde das Urteil kurz nach einem von ihr begonnenen Hungerstreik ausgesprochen. Die neue Verurteilung gilt als weiteres deutliches Zeichen für das harte Vorgehen der iranischen Führung gegen jegliche Form von Kritik und politischem Widerstand.
Nach Angaben ihres Anwalts Mostafa Nili wurde Mohammadi am Samstag von einem Revolutionsgericht in der Stadt Maschhad verurteilt. Diese Gerichte sind dafür bekannt, Prozesse ohne transparente Verfahren und mit stark eingeschränkten Verteidigungsmöglichkeiten durchzuführen. Konkret erhielt Mohammadi sechs Jahre Haft wegen angeblicher „Zusammenrottung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“, weitere eineinhalb Jahre wegen „Propaganda gegen das System“ sowie ein zweijähriges Reiseverbot. Zusätzlich wurde eine zweijährige interne Verbannung in die abgelegene Stadt Khosf verhängt.
Die 53-jährige Menschenrechtsaktivistin hatte Anfang Februar aus Protest gegen ihre Haftbedingungen und die erneuten Verfahren einen Hungerstreik begonnen, den sie nach der Urteilsverkündung aufgrund ihres sich verschlechternden Gesundheitszustands wieder beendete. Mohammadi leidet seit Jahren an schweren gesundheitlichen Problemen. Während früherer Haftzeiten erlitt sie mehrere Herzinfarkte, zudem musste 2022 ein verdächtiger Knochenbefund operativ entfernt werden.
Mohammadi war erst im Dezember 2024 aus medizinischen Gründen vorübergehend aus dem Gefängnis entlassen worden. Trotz der Risiken setzte sie ihre Arbeit fort, nahm an Gedenkveranstaltungen teil, äußerte sich in internationalen Medien und protestierte öffentlich gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran. Ihre erneute Festnahme erfolgte während einer Zeremonie zu Ehren des verstorbenen Menschenrechtsanwalts Khosrow Alikordi, bei der sie laut Augenzeugen lautstark Gerechtigkeit forderte.
International gilt Narges Mohammadi als eine der wichtigsten Stimmen der iranischen Zivilgesellschaft. Sie unterstützte offen die landesweiten Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022, bei denen insbesondere Frauen gegen den staatlichen Zwang zum Tragen des Hijabs demonstrierten. Für ihr jahrzehntelanges Engagement erhielt sie 2023 den Friedensnobelpreis.
Das neue Urteil fällt in eine Phase erhöhter Spannungen, in der der Iran gleichzeitig versucht, auf internationaler Ebene Stärke zu demonstrieren. Während Gespräche mit den USA über das iranische Atomprogramm laufen, betonen führende Politiker in Teheran innenpolitisch einen harten Kurs. Beobachter sehen in der Verurteilung Mohammadis ein Signal, dass die Führung trotz internationaler Kritik nicht bereit ist, von ihrer repressiven Linie gegenüber Dissidenten abzuweichen.