Fast vier Jahrzehnte nach seinen letzten nachgewiesenen Verbrechen steht der verurteilte Mörder Ronald Heath vor seiner Hinrichtung im US-Bundesstaat Florida. Der heute 64-Jährige soll am 10. Februar durch eine tödliche Injektion im Staatsgefängnis von Raiford hingerichtet werden. Der Fall wirft nicht nur ein Schlaglicht auf eine außergewöhnlich brutale Gewaltgeschichte, sondern auch auf die anhaltende Debatte über die Todesstrafe in den USA.
Ronald Heath wurde bereits im Alter von 16 Jahren zum Mörder. Im Dezember 1977 tötete er in Jacksonville den 18-jährigen Michael Green auf grausame Weise. Trotz der Schwere der Tat wurde Heath wegen Mordes zweiten Grades verurteilt und zu 30 Jahren Haft verurteilt, jedoch vorzeitig entlassen. Diese Entscheidung sollte fatale Folgen haben.
Im Jahr 1989 begann Heath gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Kenneth eine neue Gewaltserie. In Gainesville lernten die Brüder den reisenden Handelsvertreter Michael Sheridan kennen. Unter dem Vorwand, gemeinsam Marihuana zu konsumieren, lockten sie ihn an einen abgelegenen Ort. Dort eskalierte die Situation: Sheridan wurde beraubt, schwer misshandelt und schließlich erschossen. Obwohl Kenneth den tödlichen Schuss abgab, sahen Gericht und Jury Ronald Heath als den dominierenden Kopf hinter dem Verbrechen an, der Planung und Ablauf bestimmte. Er wurde zum Tode verurteilt.
Nur zwei Tage später töteten die Brüder einen weiteren Mann, den 26-jährigen Anthony Hammett, der kurz vor seiner Hochzeit stand und Vater eines Kleinkindes war. Dieses Verfahren wurde später eingestellt, da Kenneth Heath seine Aussage verweigerte. Für die Angehörigen des Opfers blieb ein Gefühl von Ohnmacht und Ungerechtigkeit zurück.
Florida gehört zu den Bundesstaaten mit der höchsten Zahl an Hinrichtungen. Allein im vergangenen Jahr wurden dort mehr Todesurteile vollstreckt als in jedem anderen US-Bundesstaat. Gouverneur Ron DeSantis betont, dass er mit der konsequenten Unterzeichnung von Hinrichtungsbefehlen den Familien der Opfer Gerechtigkeit und Abschluss verschaffen wolle.
Für die Familie von Michael Sheridan ist der Tag der Hinrichtung emotional aufgeladen. Seine Geschwister, die als Zeugen anwesend sein werden, kämpfen seit Jahrzehnten für die Vollstreckung des Urteils. Sie beschreiben ihren Bruder als vertrauensvollen, lebensfrohen Menschen – Eigenschaften, die ihm letztlich zum Verhängnis wurden. Für sie markiert die Hinrichtung das Ende eines langen Weges durch Gerichte, Anträge und politische Instanzen.
Der Fall Ronald Heath steht exemplarisch für die komplexen Fragen rund um Schuld, Strafe und späte Gerechtigkeit. Er zeigt, wie lange die Schatten schwerer Gewaltverbrechen reichen – für Opferfamilien ebenso wie für eine Gesellschaft, die sich immer wieder mit der Legitimität der Todesstrafe auseinandersetzen muss.