Die Bürger-Windpark Großenaspe GmbH & Co. KG ist mit wirtschaftlichen Herausforderungen in ihr erstes vollständiges Betriebsjahr gestartet. Der nun veröffentlichte Jahresabschluss für 2024 zeigt: Trotz langfristig gesicherter EEG-Vergütung, moderner Anlagentechnik und breiter Bürgerbeteiligung blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Unter dem Strich steht ein Jahresfehlbetrag von rund 193.000 Euro – ein Verlust, der zwar eingeplant war, aber die fragile finanzielle Situation des Projekts deutlich macht.
Erstes volles Betriebsjahr mit Anlaufschwierigkeiten
2024 war das erste Jahr, in dem alle fünf Windenergieanlagen vom Typ Nordex N 117/3.6 ganzjährig am Netz waren. Dennoch erreichte der Windpark mit rund 26.200 Megawattstunden deutlich weniger Stromerzeugung als prognostiziert. Erwartet worden waren etwa 31.250 MWh. Hauptgründe waren ein unterdurchschnittliches Windjahr sowie technische Einschränkungen: Ein Kabelschaden legte alle fünf Anlagen für mehrere Tage lahm und reduzierte die Verfügbarkeit spürbar.
Diese Abweichungen schlugen sich direkt in den Erlösen nieder. Statt der geplanten rund 2,43 Millionen Euro aus Einspeisevergütung und Marktprämie flossen nur etwa 2,03 Millionen Euro. Zwar wurden Schadenersatzansprüche geltend gemacht, doch konnten diese den Einnahmeausfall nur teilweise kompensieren.
Fixkosten belasten Ergebnis
Besonders deutlich wird die strukturelle Herausforderung des Projekts bei den Kosten. Abschreibungen, Zinsen, Wartung, Betriebsführung und Pacht fallen weitgehend unabhängig von der tatsächlich produzierten Strommenge an. Im ersten vollen Jahr schlugen diese Fixkosten erstmals vollständig zu Buche. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen auf rund 900.000 Euro, der Zinsaufwand lag bei knapp 448.000 Euro.
Zwar führte eine Neubewertung der Nutzungsdauer der Anlagen von zuvor 16 auf nun 20 Jahre zu geringeren jährlichen Abschreibungen. Doch selbst dieser Effekt reichte nicht aus, um das Ergebnis ins Positive zu drehen.
Hoher Fremdkapitalanteil, begrenzter Spielraum
Die Bilanz offenbart eine weiterhin angespannte Finanzlage. Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 14 Prozent, während Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten von über 18 Millionen Euro bestehen. Die Tilgung der Darlehen hat bereits begonnen, weitere Rückzahlungen stehen in den kommenden Jahren an. Nach Einschätzung der Geschäftsführung ist die Liquidität aktuell gesichert – der finanzielle Spielraum bleibt jedoch gering.
Der Abschlussprüfer weist ausdrücklich auf eine „wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit“ hin, auch wenn das Prüfungsurteil insgesamt uneingeschränkt ausfällt. Die Fortführung wird weiterhin als überwiegend wahrscheinlich eingeschätzt, hängt jedoch maßgeblich von der künftigen Ertragsentwicklung ab.
Risiken und Chancen liegen eng beieinander
Für 2025 rechnet die Gesellschaft erneut mit einem Verlust zwischen 150.000 und 250.000 Euro. Ursache ist vor allem die bislang schwache Windbilanz im ersten Halbjahr. Gleichzeitig bestehen Chancen: Sollte das Windaufkommen in den kommenden Jahren über den Annahmen der Gutachten liegen, könnten die Stromerträge deutlich steigen. Auch eine spätere Direktvermarktung könnte höhere Erlöse ermöglichen.
Positiv zu bewerten ist, dass zentrale Projektrisiken – Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme – abgeschlossen sind. Die verbleibenden Risiken konzentrieren sich nun auf Windverfügbarkeit, Technik, Finanzierung und Kostenentwicklung.
Fazit aus Anlegersicht
Der Bürger-Windpark Großenaspe zeigt exemplarisch, wie anspruchsvoll Windenergieprojekte in der Praxis bleiben – selbst mit moderner Technik und gesicherter EEG-Vergütung. Für die beteiligten Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Geduld bleibt gefragt. Kurzfristige Ausschüttungen sind angesichts der aktuellen Lage nicht zu erwarten. Langfristig hängt der wirtschaftliche Erfolg maßgeblich davon ab, ob sich die Ertragsprognosen künftig erfüllen und die Finanzierung tragfähig bleibt.
Der Jahresabschluss 2024 zeichnet damit ein nüchternes, aber transparentes Bild: Das Projekt lebt, steht jedoch finanziell unter Druck – und bleibt ein Investment mit Chancen, aber auch spürbaren Risiken.