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Der Streit um Adelholzeners Wasserrechte und die Angst vor dem Durst im Alpenvorland

cocoparisienne (CC0), Pixabay

Wasser ist im Weißachental mehr als ein Rohstoff. Es ist Lebensgrundlage, Sicherheitsnetz und ein Stück Heimat. Doch ausgerechnet hier, im Landkreis Traunstein, sorgt ein Antrag des Mineralwasserkonzerns Adelholzener Alpenquellen für wachsende Unruhe. Das Unternehmen will seine Wasserrechte um weitere 25 Jahre verlängern – und bei manchen Anwohnerinnen und Anwohnern schrillen die Alarmglocken.

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, die viele umtreibt: Bedroht die industrielle Wasserförderung langfristig das Trinkwasser der Menschen vor Ort – oder ist die Sorge unbegründet?

Eine Quelle, ein Haus, ein mulmiges Gefühl

Hinter dem Wohnhaus von Sarina Kraft führt ein schmaler Pfad den Hang hinauf. Zwischen Moos und Gestein befindet sich eine unscheinbare Metalltür mit Vorhängeschloss. Dahinter liegt die private Quelle, aus der ihre Familie seit Jahrzehnten Wasser bezieht. Noch sprudelt sie. Doch Kraft fragt sich, wie lange noch.

Der Klimawandel hat das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Natur erschüttert. Längere Trockenperioden, schneearme Winter und heiße Sommer haben auch im Alpenraum Spuren hinterlassen. Wenn dann im Tal ein Konzern jährlich rund 1,3 Millionen Kubikmeter Grundwasser fördert – mehr als jedes andere Mineralwasserunternehmen in Bayern –, entsteht ein Gefühl der Bedrohung.

„Wenn unten immer mehr Wasser entnommen wird, dann bleibt oben irgendwann nichts mehr“, sagt Kraft. Diese Annahme ist weit verbreitet – auch wenn sie hydrogeologisch so nicht zutrifft.

Vom mulmigen Gefühl zur Bürgerinitiative

Aus der Sorge wurde Engagement. Gemeinsam mit anderen gründete Kraft 2022 die Initiative „Unser Bergener Wasser“. Ihr Ziel ist nicht der offene Konflikt, sondern Vorsorge: geringere Entnahmemengen, strengere Kontrollen, nachvollziehbare Messdaten. Kurz gesagt: mehr Sicherheit.

Der neue Wasserrechtsantrag von Adelholzener hat diese Diskussion neu entfacht. Das Unternehmen beantragt, zunächst zehn Jahre lang weiterhin in bisherigem Umfang Wasser zu entnehmen. Erst danach soll die Fördermenge reduziert werden. Der Konzern betont, es gebe keine Beeinträchtigung für kommunale oder private Wasserversorgungen.

Zwei Wasserschichten, zwei Welten

Die zuständigen Behörden sehen das ähnlich. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein verweist auf einen entscheidenden Punkt: Adelholzener entnimmt kein oberflächennahes Trinkwasser, sondern Tiefengrundwasser. Private Quellen und kommunale Brunnen werden hingegen aus dem oberen Grundwasserstockwerk gespeist.

Diese Schichten sind geologisch voneinander getrennt. Vereinfacht gesagt: Das Wasser der Quelle hinter dem Haus von Sarina Kraft fließt nicht in dieselben unterirdischen Räume wie das Wasser, das Adelholzener fördert. Ein direkter Zusammenhang zwischen industrieller Förderung und versiegenden Quellen lässt sich aus fachlicher Sicht nicht belegen.

Doch genau hier zeigt sich die Kluft zwischen Wissenschaft und Wahrnehmung.

Die Angst vor dem Antasten der „eisernen Reserve“

Selbst wer die fachlichen Argumente akzeptiert, stellt eine andere Frage: Sollte Tiefengrundwasser überhaupt in großem Stil genutzt werden?

In Bayern gilt es als sogenannte „eiserne Reserve“ – ein strategischer Wasservorrat für extreme Trockenphasen oder Krisensituationen. Kritiker befürchten, dass diese Reserve schleichend zur Normalquelle wird, ohne dass klar ist, wie sie sich in 20 oder 30 Jahren regeneriert.

Behörden halten dagegen: Die Entnahmen seien genehmigt, überwacht und lägen deutlich unterhalb kritischer Schwellenwerte. Zudem müsse Wasser, auch Mineralwasser, wirtschaftlich nutzbar bleiben.

Zwischen Vertrauen, Kontrolle und Klimawandel

Der Konflikt in Bergen ist kein Einzelfall. Er steht stellvertretend für eine größere gesellschaftliche Debatte: Wem gehört das Wasser – und wie viel industrielle Nutzung ist vertretbar, wenn sich das Klima verändert?

Für viele Anwohner geht es weniger um Zahlen und Gutachten als um Vertrauen. Vertrauen darauf, dass ihre Quellen auch morgen noch fließen. Vertrauen darauf, dass Kontrollen funktionieren. Vertrauen darauf, dass Vorsorge wichtiger ist als kurzfristige wirtschaftliche Interessen.

Die Entscheidung über die Verlängerung der Wasserrechte steht noch aus. Sicher ist jedoch schon jetzt: Wasser wird im Alpenvorland zunehmend politisch. Und die Frage, wie viel Sicherheit wir für die Zukunft brauchen, wird nicht allein in Aktenordnern beantwortet werden können.

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