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Windpark Hohenlochen: Entschuldung bei Banken, aber steigende Forderungen und sinkende Liquidität

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresabschluss 2024 der Windpark Hohenlochen GmbH & Co. KG ein insgesamt ordentlich strukturiertes Projekt mit stabiler Eigenkapitalbasis und erkennbaren Fortschritten beim Abbau der Bankverschuldung. Gleichzeitig fallen mehrere Punkte auf, die man kritisch im Blick behalten sollte: rückläufige Liquidität, deutlich gestiegene Forderungen sowie eine Kosten- und Verpflichtungsstruktur, die stark von dauerhaft stabilen Stromerträgen abhängt.

Die Bilanzsumme ist im Jahresvergleich spürbar gesunken – von rund 24,5 Mio. EUR auf 22,55 Mio. EUR. Haupttreiber ist der Rückgang des Anlagevermögens (technische Anlagen und Maschinen) von 21,51 Mio. EUR auf 20,04 Mio. EUR. Das ist typisch für Windparkgesellschaften: Die Anlagen werden planmäßig abgeschrieben, wodurch der Buchwert sinkt, ohne dass das operativ automatisch schlecht sein muss. Aus Investorensicht heißt das aber auch: Die Substanz wird bilanziell Jahr für Jahr abgebaut, während die Fähigkeit, Cashflows zu generieren, dauerhaft hoch bleiben muss, um Zins- und Tilgungsdienste zu tragen.

Positiv sticht hervor, dass die Bankverbindlichkeiten deutlich reduziert wurden. Sie gingen von 16,73 Mio. EUR auf 15,33 Mio. EUR zurück. Das ist ein substanzieller Schritt in Richtung Entschuldung. Die Laufzeitenstruktur ist dabei gemischt: Rund 1,40 Mio. EUR sind kurzfristig fällig, der große Block liegt langfristig, mit über 8,33 Mio. EUR Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren. Für Anleger ist das grundsätzlich beruhigend, weil es den kurzfristigen Refinanzierungsdruck begrenzt, gleichzeitig bleibt die Gesellschaft aber stark fremdfinanziert.

Das Eigenkapital bleibt unverändert bei 4,98 Mio. EUR. Das wirkt auf den ersten Blick stabil und ist gerade im Projektgeschäft ein Pluspunkt. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass die Eigenkapitalposition hier weniger dynamisch erscheint, weil der Jahresüberschuss laut Gesellschaftsvertrag den Verrechnungskonten gutgeschrieben wird. Für Anleger ist daher entscheidend, wie sich diese Verrechnungskonten und die Ausschüttungslogik tatsächlich auswirken – die Bilanz allein zeigt das nur begrenzt.

Kritischer ist die Liquiditätsentwicklung. Die Zahlungsmittel sanken von 2,39 Mio. EUR auf 1,27 Mio. EUR – also nahezu halbiert. Das kann mehrere Gründe haben, etwa Tilgungen, Investitionen, Ausgleich von Verbindlichkeiten oder zeitliche Effekte bei Forderungseinzug. In Kombination mit den stark gestiegenen Forderungen ist das jedoch ein Punkt, den Anleger ernst nehmen sollten: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stiegen von rund 350 Tsd. EUR auf 749 Tsd. EUR, die sonstigen Vermögensgegenstände von 225 Tsd. EUR auf 467 Tsd. EUR. Laut Anhang ist ein wesentlicher Bestandteil eine Gewerbesteuerrückforderung (im Text mit TEUR 224 erläutert). Eine Steuererstattung ist grundsätzlich positiv, aber sie ist eben auch ein Liquiditätsversprechen, das von Verwaltungs- und Zeitabläufen abhängt. Bis zur tatsächlichen Auszahlung bleibt die Liquidität enger.

Auf der Verbindlichkeitsseite fällt auf, dass die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen deutlich gestiegen sind (von 266 Tsd. EUR auf 551 Tsd. EUR). Das kann schlicht ein Stichtagseffekt sein, kann aber auch anzeigen, dass mehr laufende Kosten oder Nachzahlungen im System sind. Positiv ist dagegen der Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber Kommanditisten von 2,07 Mio. EUR auf 1,42 Mio. EUR. Das senkt die Abhängigkeit von Gesellschafterdarlehen und verbessert die Kapitalstruktur – sofern diese Entwicklung nachhaltig ist und nicht durch Umschichtungen an anderer Stelle kompensiert wurde.

Aus Risiko- und Werterhaltungssicht ist die Rückbauverpflichtung wichtig. Die Gesellschaft bildet hierfür Rückstellungen (TEUR 129) und legt dabei als Rückbauzeitpunkt das Jahr 2042 zugrunde, mit ratierlicher Zuführung und Abzinsung nach Bundesbank-Zinssätzen. Das ist bilanziell sauber und ein gutes Signal, weil Rückbaukosten in Windparkprojekten gerne unterschätzt werden. Dennoch bleibt: Rückstellungen sind Schätzgrößen. Sollten sich Kosten, Regulierung oder technische Anforderungen verändern, kann später ein Nachdotierungsbedarf entstehen.

Auch die Besicherung der Bankdarlehen ist aus Anlegersicht klar zu lesen: Grundschulden, Sicherungsübereignung der Anlagen, Abtretung von Vertragsrechten sowie Verpfändung von Projekt- und Reservekonten. Das ist im Projektfinanzierungsstandard normal, bedeutet aber zugleich, dass im Krisenfall die finanzierende Bank strukturell sehr stark abgesichert ist – während für Eigenkapitalgeber das Risiko typischerweise höher bleibt.

Ertragsseitig ist die Gesellschaft vollständig auf Stromerzeugung ausgerichtet. Im Anhang wird zudem eine Entschädigung für Ertragsausfall wegen Stillstand als wesentlicher Bestandteil der sonstigen betrieblichen Erträge genannt. Das kann kurzfristig stabilisieren, zeigt aber auch: Stillstände sind real und können die Planbarkeit beeinträchtigen. Für Anleger wäre hier besonders interessant, wie häufig Stillstände waren, wie hoch die echte Produktion gegenüber Planung lag und wie sich Wartungs- und Verfügbarkeitskennzahlen entwickeln – Informationen, die in einem kleinen HGB-Abschluss naturgemäß nur begrenzt sichtbar sind.

Unterm Strich wirkt Windpark Hohenlochen 2024 aus Anlegersicht wie ein Projekt mit grundsätzlich solider Basis: konstantes Eigenkapital, sinkende Bankschulden, gebildete Rückbauvorsorge. Die kritischen Punkte liegen vor allem in der Liquidität und im Working Capital: weniger Cash, deutlich mehr Forderungen, höhere Lieferantenverbindlichkeiten. Für Anleger ist das kein Alarmzeichen, aber ein klarer Beobachtungspunkt für 2025, weil die Zahlungsfähigkeit im Projektgeschäft weniger an Buchwerten, sondern an Cashflow, Verfügbarkeit der Anlagen und pünktlichen Zahlungseingängen hängt.

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