Die irakische Regierung hat am Sonntag den vollständigen Abzug der US-Streitkräfte aus allen militärischen Einrichtungen innerhalb des föderalen Staatsgebiets des Landes bekannt gegeben. Damit endet eine über zwei Jahrzehnte währende Präsenz amerikanischer Truppen an zentralen Standorten, insbesondere auf der Luftwaffenbasis Al-Asad in der westlichen Provinz Anbar. Ausgenommen von dem Abzug ist die autonome Kurdische Region im Norden des Landes, in der weiterhin US-Soldaten stationiert bleiben.
Nach Angaben des irakischen Verteidigungsministeriums verließ das letzte Kontingent US-amerikanischer Militärberater die Al-Asad Air Base, die seit dem Jahr 2003 eine Schlüsselrolle für US-Operationen im Irak gespielt hatte. Zudem zog sich die von den USA geführte internationale Koalition gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) aus dem Hauptquartier des Gemeinsamen Operationskommandos zurück. Die Einrichtungen stehen nun vollständig unter der Kontrolle der irakischen Sicherheitskräfte.
Der schrittweise Abzug war bereits seit mehreren Jahren im Gange und wurde 2023 durch die irakische Regierung offiziell eingefordert. Seit Dezember 2021 hatten die US-Streitkräfte im Irak keine Kampfmissionen mehr, sondern agierten mit rund 2.500 Soldaten in einer beratenden und unterstützenden Funktion. Auf dem Höhepunkt der US-Präsenz nach der Invasion 2003 waren zeitweise bis zu 170.000 amerikanische Soldaten im Land stationiert.
US-Truppen verbleiben weiterhin auf der Harir Air Base in der Provinz Erbil. Die Kurdische Region verfügt gemäß der irakischen Verfassung über weitreichende Autonomie mit eigener Regierung, eigenem Parlament und eigenen Sicherheitskräften, weshalb Bagdad dort keine vollständige Kontrolle ausübt.
Der Abzug erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender regionaler Spannungen, insbesondere zwischen den USA und dem Iran. Die Basis Al-Asad war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Raketen- und Drohnenangriffen durch iranische und iranisch unterstützte Milizen. Besonders schwer wog ein iranischer Raketenangriff im Januar 2020 als Vergeltung für die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff.
Irakische Regierungsvertreter betonten, die eigenen Streitkräfte seien inzwischen in der Lage, die Sicherheit des Landes eigenständig zu gewährleisten. Die künftige Zusammenarbeit mit den USA solle sich auf Ausbildung, Rüstung, gemeinsame Manöver und operative Koordination im Rahmen bilateraler Abkommen konzentrieren. Gleichzeitig erhofft sich Bagdad, dass der Abzug die Position der Regierung gegenüber nichtstaatlichen Milizen stärkt, die ihre Bewaffnung bislang mit der Präsenz ausländischer Truppen rechtfertigten.
Obwohl die Koalitionsmission im Irak offiziell beendet ist, dauern gemeinsame Operationen gegen den IS im benachbarten Syrien an. Logistische Unterstützung soll weiterhin über den Luftwaffenstützpunkt in Erbil laufen, und auch gemeinsame Einsätze könnten bei Bedarf wieder aufgenommen werden.