Der Wohnungsmarkt in Deutschland steht unter massivem Druck. Noch nie war die Lücke zwischen Angebot und Bedarf so groß wie heute: Bundesweit fehlen nach aktuellen Berechnungen des Pestel-Instituts rund 1,4 Millionen Wohnungen. Besonders alarmierend ist dabei nicht nur die schiere Zahl, sondern vor allem die Art der fehlenden Wohnungen – es mangelt vor allem an bezahlbarem Wohnraum. Die Autoren des jüngst in Berlin vorgestellten Sozialen Wohnmonitors warnen eindringlich vor einem sozialen Drama mit weitreichenden Folgen.
Die Studie zeigt: Der Wohnungsmangel ist längst kein regional begrenztes Phänomen mehr, sondern betrifft nahezu alle Bundesländer. In Sachsen liegt der errechnete Bedarf bei rund 26.000 Wohnungen, in Thüringen bei 20.000 und in Sachsen-Anhalt bei 17.000. Besonders hart trifft es jene Bevölkerungsgruppen, die ohnehin über geringere finanzielle Spielräume verfügen. Als Verlierer der Entwicklung gelten laut Studie vor allem ältere Menschen sowie junge Erwachsene, die kaum noch Chancen auf dem angespannten Mietmarkt haben.
Ein Blick in den Norden Deutschlands offenbart dabei ein sehr differenziertes Bild. Während Hamburg beim sozialen Wohnungsbau bundesweit eine Spitzenposition einnimmt, verschärft sich die Lage in anderen Ländern zunehmend. Niedersachsen gilt laut Wohn-Monitor des Bündnisses „Soziales Wohnen“ als besonders dramatisches Beispiel. Dort existierten 2024 lediglich 50.500 Sozialwohnungen – gerade einmal 2,5 Prozent aller Mietwohnungen. Damit liegt das Flächenland deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Zwar entstehen jedes Jahr neue Sozialwohnungen, gleichzeitig laufen jedoch zahlreiche Sozialbindungen aus. Der Bestand schrumpft – mit fatalen Konsequenzen: Für das Jahr 2035 prognostizieren die Experten in Niedersachsen einen Bedarf von rund 168.500 Sozialwohnungen.
Noch prekärer stellt sich die Situation in Mecklenburg-Vorpommern dar. Mit nur 2.600 Sozialwohnungen liegt der Anteil hier bei erschreckenden 0,5 Prozent aller Mietwohnungen. Auch dort frisst das Auslaufen von Sozialbindungen den ohnehin geringen Neubau nahezu auf. Trotz eines hohen Bedarfs rechnen die Autoren der Studie für das Jahr 2035 mit bis zu 44.600 fehlenden bezahlbaren Wohnungen.
Etwas besser, aber keineswegs entspannt ist die Lage in Schleswig-Holstein. Mit rund 47.700 Sozialwohnungen – etwa sechs Prozent aller Mietwohnungen – liegt das Bundesland über dem Durchschnitt. Dennoch reicht auch dieses Angebot bei Weitem nicht aus. Für 2035 werden rund 67.400 Sozialwohnungen benötigt. Positiv hervorgehoben wird Schleswig-Holstein dennoch: Durch den Einsatz des Regelstandards „Erleichtertes Bauen“ gelingt es dort, neue Sozialwohnungen kostengünstiger und dennoch in guter Qualität zu errichten – ein Modell, das bundesweit als Vorbild gelten könnte.
Hamburg wiederum zeigt, dass konsequenter politischer Wille Wirkung entfalten kann. Mit 79.400 Sozialwohnungen im Jahr 2024 und einem Anteil von rund zehn Prozent aller Mietwohnungen führt die Hansestadt die Statistik an. Doch auch hier bleibt der Druck hoch, da jährlich zahlreiche Sozialbindungen auslaufen. Ohne kontinuierlichen Neubau würde selbst Hamburg rasch ins Hintertreffen geraten.
Die Dimension des Problems wird noch deutlicher, wenn man den Blick auf ganz Deutschland richtet. Bereits Ende 2024 hatte der Wohnungsmangel laut Pestel-Institut einen historischen Höchststand erreicht. Allein in Bayern fehlen über 230.000 Wohnungen. Um den Bedarf zu decken, müssten dort künftig jedes Jahr nahezu 80.000 neue Wohneinheiten entstehen – ein Ziel, das angesichts steigender Baukosten und stockender Genehmigungsverfahren kaum realistisch erscheint.
Besonders dramatisch sind die sozialen Folgen: Junge Menschen unter 25 finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum, während viele ältere Großstadtbewohner im Rentenalter ihre Mieten nicht mehr stemmen können. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand droht sich diese Entwicklung weiter zu verschärfen.
Der Wohn-Monitor sendet damit ein klares Warnsignal an Politik und Gesellschaft. Ohne einen massiven Ausbau des sozialen und bezahlbaren Wohnungsbaus droht der Wohnungsmangel in Deutschland zu einer der größten sozialen Herausforderungen der kommenden Jahre zu werden.