In Minneapolis ist es erneut zu einem schweren Zwischenfall im Zusammenhang mit einem Einsatz von Bundesbehörden gekommen. Ein Mitarbeiter der US-Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security, DHS) schoss am Mittwochabend auf einen Mann und verletzte ihn am Bein. Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach der tödlichen Schussabgabe eines ICE-Agenten, bei der die 37-jährige Renee Nicole Good ums Leben kam, und hat die ohnehin angespannte Lage in der Stadt weiter verschärft.
Nach Angaben des DHS führten Bundesbeamte gegen 18:50 Uhr einen gezielten Verkehrsstopp im Norden von Minneapolis durch. Ziel sei ein venezolanischer Staatsangehöriger gewesen, der sich laut Behördenangaben ohne gültigen Aufenthaltsstatus in den USA aufhielt. Der Mann versuchte zunächst mit seinem Fahrzeug zu fliehen, prallte gegen ein geparktes Auto und setzte seine Flucht zu Fuß fort. Als ein Beamter versuchte, ihn festzunehmen, kam es laut DHS zu einer körperlichen Auseinandersetzung.
Während des Gerangels sollen zwei weitere Personen aus einem nahegelegenen Wohnhaus hinzugekommen sein und den Beamten mit einer Schneeschaufel und einem Besenstiel attackiert haben. Der Agent habe daraufhin aus Angst um sein Leben einen Schuss abgegeben, der den ursprünglichen Verdächtigen am Bein traf. Alle drei Personen flüchteten zurück in das Gebäude und verbarrikadierten sich dort. Später wurden die beiden mutmaßlichen Angreifer festgenommen. Sowohl der verletzte Mann als auch der Bundesbeamte wurden ins Krankenhaus gebracht; die Verletzungen gelten als nicht lebensbedrohlich.
Der Vorfall löste noch am selben Abend Proteste aus. Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Nähe des Einsatzortes, es kam zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas und andere Reizmittel ein, nachdem laut Behördenangaben Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte geworfen worden waren. Minneapolis Police Chief Brian O’Hara sprach von einer „äußerst angespannten Situation“ und forderte die Menge auf, das Gebiet zu verlassen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.
Bürgermeister Jacob Frey erneuerte seine scharfe Kritik an der Präsenz von ICE und anderen Bundesbehörden in der Stadt. Diese schaffe „Chaos“ und sei für Minneapolis nicht länger tragbar. Gleichzeitig rief er zu friedlichem Protest auf und verurteilte Gewalt. Auch der Bundesstaat Minnesota steht im Konflikt mit der Bundesregierung: Gouverneur Tim Walz hatte die Bevölkerung kürzlich dazu aufgerufen, Einsätze von Einwanderungsbehörden mit dem Smartphone zu dokumentieren, um mögliche Rechtsverstöße festzuhalten.
Der jüngste Schusswaffeneinsatz fügt sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Laut Recherchen wurden seit August mindestens zehn Menschen bei Einsätzen von Einwanderungsbehörden angeschossen. Kritiker sehen darin ein Muster aggressiver Taktiken, das bundesweit für wachsende Sorge sorgt – insbesondere in Städten wie Minneapolis, wo Einwanderungspolitik und öffentliche Sicherheit zunehmend aufeinanderprallen.