Ein afghanischer Staatsangehöriger ist nach Verbüßung eines Teils seiner Haftstrafe aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden. Die Bundespolizei brachte den Mann, der in Bayern mehrfach strafrechtlich verurteilt worden war, am Freitag auf dem Luftweg zurück in sein Herkunftsland. Die Abschiebung erfolgte über einen Linienflug von Frankfurt am Main mit Zwischenstopp in Istanbul bis nach Kabul.
Der Mann war ursprünglich als Flüchtling nach Deutschland eingereist und hatte geltend gemacht, Schutz vor Verfolgung in Afghanistan zu suchen. In den Folgejahren wurde er jedoch mehrfach wegen schwerer Straftaten verurteilt. Die Gerichte stellten unter anderem schwere Körperverletzung sowie Drogenhandel fest. Nach Angaben der Behörden galt er als Intensivstraftäter. Nach Verbüßung eines Teils seiner Haftstrafe wurde seine Ausreise vollzogen.
Am frühen Samstagmorgen landete der Flug in Kabul. Dort übergaben Bundespolizisten den Abgeschobenen samt konsularischer Unterlagen an Vertreter der dortigen Behörden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums kam dabei ein neu etablierter Mechanismus der sogenannten Einzelabschiebung zur Anwendung, der auch Rückführungen in besonders sensible Herkunftsländer ermöglichen soll.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bestätigte die Abschiebung und unterstrich die politische Bedeutung des Vorgangs. Abschiebungen müssten auch nach Afghanistan möglich sein, erklärte der Minister. Die Gesellschaft habe ein zwingendes Interesse daran, dass Menschen, die in Deutschland Schutz gesucht, aber schwere Straftaten begangen hätten, das Land wieder verlassen. Dies werde konsequent umgesetzt.
Hintergrund der Maßnahme ist eine weiterhin angespannte Lage im deutschen Asyl- und Migrationssystem. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge waren Ende November 2025 rund 448.000 afghanische Staatsangehörige in Deutschland gemeldet. Knapp 12.000 von ihnen galten als ausreisepflichtig. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr jedoch nur 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgeführt.
Parallel zur aktuellen Abschiebung wird die politische Debatte über eine Verschärfung der Rückführungspraxis intensiver geführt. Ein kürzlich bekannt gewordener Entwurf aus der CSU fordert eine umfassende Abschiebeoffensive, darunter regelmäßige Rückführungen mit Linienflügen, den Aufbau zentraler Ausreisezentren sowie eine stärkere Begrenzung von Sozialleistungen für ausreisepflichtige Personen. Die Abschiebung des verurteilten Straftäters nach Kabul gilt vielen Beobachtern als Signal, dass diese Linie künftig stärker verfolgt werden könnte.