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„Zu viele Hirsche, zu hohe Kosten: Warum Großbritannien ein massives Wildproblem hat“

Baxio32 (CC0), Pixabay

In Vereinigtes Königreich ist ein Problem herangewachsen, das lange unterschätzt wurde: Die Zahl der Hirsche ist in den vergangenen Jahrzehnten explosionsartig gestiegen – mit erheblichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen. Die Schäden, die Wildtiere in Städten, auf Straßen, in Wäldern und auf landwirtschaftlichen Flächen verursachen, kosten das Land inzwischen Millionen.

Die Tiere sind längst nicht mehr nur in abgelegenen Wäldern anzutreffen. Selbst in Städten gehören sie mittlerweile zum Alltag. Der Gärtner Ben Martill beobachtet regelmäßig ganze Hirschgruppen in der Marktstadt Horsham in West Sussex – auf Verkehrsinseln, an Hauptstraßen und zwischen Wohnblocks. Begegnungen mit Autos sind keine Seltenheit, Wildunfälle nehmen zu. Auch private Gärten und Parks bleiben nicht verschont: Zäune werden durchbrochen, Baumrinde abgeschält, Pflanzen zerstört.

Fachleute sehen die Ursache in einer langfristigen Entwicklung. Über die letzten 40 Jahre hinweg sind die Hirschbestände stark angewachsen. Besonders seit der Corona-Pandemie habe sich die Situation weiter verschärft, sagt der Wildexperte Jonathan Spencer, früherer Leiter für Planung und Umwelt bei Forestry England. Während der Pandemie ging die Bejagung vielerorts deutlich zurück – mit Folgen, die heute sichtbar werden.

Zwar gibt es keine exakten Zahlen, doch Schätzungen der Forestry Commission und des britischen Umweltministeriums Department for Environment, Food & Rural Affairs (Defra) gehen von rund zwei Millionen Hirschen in Großbritannien aus. In den 1970er-Jahren lag die Zahl noch bei etwa 450.000. Diese Vervielfachung hat massive Auswirkungen auf Landschaft und Wirtschaft.

Besonders stark betroffen ist die Forstwirtschaft. Schon 2021 bezifferte Forestry and Land Scotland die jährlichen Schäden allein an jungen Bäumen in schottischen Staatswäldern auf rund drei Millionen Pfund. Landwirtschaftliche Betriebe melden teils noch höhere Verluste.

Die Bio-Landwirtin Lucy Manthorpe aus Suffolk berichtet, dass sie jährlich mehr als 10.000 Pfund durch Wildschäden verlor. Inzwischen beschäftigt sie einen Vollzeitmitarbeiter, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Hirsche zu schießen, um die Ernten zu schützen. Andere Betriebe mit besonders wertvollen Kulturen berichten laut Forestry Commission sogar von Verlusten im Bereich von Hunderttausenden bis zu einer Million Pfund pro Jahr.

Neben wirtschaftlichen Schäden leidet auch die Natur selbst. Überhöhte Hirschbestände verhindern die natürliche Verjüngung von Wäldern, zerstören Unterwuchs und gefährden andere Tier- und Pflanzenarten. Naturschützer warnen, dass ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten, wenn der Verbiss nicht begrenzt wird.

Inzwischen herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass gehandelt werden muss. Landwirte, Forstbetriebe, Naturschutzorganisationen und die Regierung sehen die Reduzierung der Bestände als notwendig an. Bereits 2022 räumte Defra ein, dass Großbritannien „mehr tun muss“, um das Problem in den Griff zu bekommen. Diskutiert werden unter anderem intensivere Abschussprogramme, bessere Koordination zwischen Landbesitzern und langfristige Wildmanagementstrategien.

Der Fall zeigt, wie schnell ein Wildtier, das lange als schützenswert galt, zu einem landesweiten Problem werden kann. Ohne konsequentes Management drohen Großbritannien weiter steigende Kosten – und ein Schaden, der weit über Geld hinausgeht und Landschaften dauerhaft verändert.

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