Der Gazastreifen ist nach Einschätzung der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) derzeit der gefährlichste Ort der Welt für Journalistinnen und Journalisten – und das mit erschütterndem Abstand. In ihrer aktuellen Jahresbilanz zeichnen die Presseschützer ein Bild extremer Gewalt, systematischer Einschüchterung und massiver Gefahren für Berichterstattende in Konflikt- und Krisengebieten.
Allein in Gaza kamen in diesem Jahr 29 Medienschaffende durch Angriffe der israelischen Armee ums Leben. Laut RSF ist das eine historisch hohe Zahl, die die Risiken verdeutlicht, unter denen Reporter dort arbeiten. Viele der getöteten Journalistinnen und Journalisten seien bewusst ins Visier geraten – eine Entwicklung, die RSF als dramatische Eskalation bewertet. Für die Pressefreiheit sei dies ein „katastrophales Signal“.
Auf Platz zwei der gefährlichsten Länder für die Pressefreiheit steht in diesem Jahr Mexiko, wo kriminelle Kartelle und mafiöse Strukturen erneut brutale Gewalt ausüben. Dort wurden laut RSF neun Journalistinnen und Journalisten ermordet, viele von ihnen, weil sie über Korruption, Drogenhandel oder politische Verflechtungen berichteten.
Global ist die Bilanz nicht weniger bedrückend: Weltweit starben 67 Reporterinnen und Reporter im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit. RSF spricht von einem „erschreckenden“ Trend und macht dafür vor allem „systematische, gezielte Gewalt durch Armeen, Milizen und kriminelle Netzwerke“ verantwortlich. In vielen Regionen würden Journalistinnen und Journalisten zunehmend als Gegner betrachtet – und nicht mehr als unabhängige Beobachter.
Hinzu kommt eine weitere alarmierende Zahl: 135 Medienschaffende gelten weltweit als vermisst. Die meisten von ihnen verschwanden im Nahen Osten und in Lateinamerika. Oft ist unklar, ob sie entführt, festgenommen oder getötet wurden. Familien und Kolleginnen leben teils seit Jahren in Ungewissheit.
RSF fordert daher entschlossene Schritte der internationalen Gemeinschaft: stärkeren Schutz für Medienschaffende, unabhängige Untersuchungen von Angriffen auf die Presse und mehr politische Konsequenzen für Staaten und Akteure, die Journalistinnen und Journalisten systematisch bedrohen oder attackieren.
Die Bilanz macht deutlich: Die Wahrheit zu suchen, bedeutet weltweit für viele Menschen Lebensgefahr – und nirgendwo mehr als in Gaza.