Der Louvre, eines der weltweit bedeutendsten Museen, steht erneut im Zentrum unerfreulicher Schlagzeilen. Nach dem spektakulären Diebstahl von Teilen der französischen Kronjuwelen Mitte Oktober wurde nun ein erheblicher Wasserschaden bekannt. Zwischen 300 und 400 empfindliche Druckwerke der Ägyptologie-Bibliothek wurden beschädigt – ein Vorfall, der die Leitung des Museums weiter unter Druck setzt.
Betroffen sind wertvolle, wissenschaftlich hochrelevante Zeitschriften aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie seltene Dokumentationen, die regelmäßig von Forschern genutzt werden. Wie der stellvertretende Verwaltungschef Francis Steinbock bestätigt, seien die Werke zwar stark in Mitleidenschaft gezogen, aber nicht verloren. Sie sollen sorgfältig getrocknet, restauriert und anschließend wieder in den Bestand eingegliedert werden.
Der Wasserschaden wurde bereits Ende November entdeckt. Ausgelöst wurde er laut Museumsangaben durch die unbeabsichtigte Öffnung eines Ventils im hydraulischen Heiz- und Belüftungssystem der Bibliothek. Die genauen Umstände werden derzeit geprüft.
Eine Institution unter wachsender Kritik
Der Vorfall trifft das Museum zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Erst wenige Wochen zuvor waren Diebe über einen Lastenaufzug und ein Fenster in das Gebäude eingedrungen und hatten bei einem spektakulären Tagescoup mehrere Stücke der französischen Kronjuwelen entwendet. Dieser Einbruch offenbarte erhebliche Schwachstellen in den Sicherheitsstrukturen des Hauses.
Seitdem steht die Museumsleitung massiv unter Druck, nachdem bereits seit Jahren wiederholt Behörden und Fachleute auf Sicherheitsdefizite hingewiesen hatten. Direktorin Laurence des Cars reagierte inzwischen mit einem Maßnahmenpaket: Unter anderem soll eine mobile Polizeiwache auf dem Gelände eingerichtet werden. Zusätzlich sollen bis Jahresende rund 100 neue Überwachungskameras installiert werden, um tote Winkel zu vermeiden und die Überwachung zu modernisieren.
Belastungsprobe für ein kulturelles Wahrzeichen
Der Louvre sieht sich damit gleich mit zwei grundlegenden Herausforderungen konfrontiert: dem Schutz seines kulturellen Erbes vor moderner Kriminalität und der Sicherstellung funktionierender, zeitgemäßer Infrastruktur. Während die restaurierbaren Druckwerke kein unwiederbringlicher Verlust sind, machen die beiden Vorfälle deutlich, wie anfällig selbst weltweit führende Museen sein können.
Für Forscherinnen und Forscher bedeutet der Wasserschaden vorerst eingeschränkten Zugang zu wichtigen Dokumenten. Für die Museumsleitung bedeutet er zusätzlichen Handlungsdruck – in einer Phase, in der das Vertrauen der Öffentlichkeit ohnehin erschüttert ist.
Soll eine nachhaltige Erholung gelingen, muss der Louvre nicht nur restaurieren, sondern grundlegend modernisieren. Klar ist: Die internationale Aufmerksamkeit für das Museum hat erneut zugenommen – allerdings nicht wegen seiner berühmten Meisterwerke, sondern wegen erheblicher Versäumnisse, die es künftig dringend zu vermeiden gilt.