Der Jahresabschluss der Windpark Sendenhorst GmbH & Co. KG zeigt ein Bild, das sich deutlich von klassischen Windpark-Bilanzen unterscheidet. Statt eines umfangreichen, hohen Anlagenvermögens fällt vor allem der geringe Bestand an Sachanlagen auf – die Bilanz ist untypisch „leicht“ für einen Windpark. Gleichzeitig steigen die Forderungen deutlich, während die Liquidität eher abnimmt.
Für Anleger ist es wichtig, diese Struktur genau zu verstehen – denn sie birgt Chancen, aber auch Auffälligkeiten.
1. Vermögenslage: Geringes Anlagevermögen und vollständiger Abgang der Finanzanlagen
Das Anlagevermögen beträgt nur 165.262 Euro – für eine Energiegesellschaft extrem niedrig. Der Windpark besitzt also selbst kaum physische Anlagen.
Die Finanzanlagen in Höhe von 1.000.000 Euro wurden vollständig ausgebucht. Das deutet auf:
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eine interne Umstrukturierung
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einen Rückfluss oder Verkauf
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eine mögliche Übertragung innerhalb des Alterric-Konzerns
Die Bilanzsumme steigt dennoch auf 4,865 Mio. Euro.
Positiv
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Der Bilanzanstieg zeigt Wachstum bei Vermögenswerten (hauptsächlich Forderungen).
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Die Gesellschaft ist finanziell flexibel und nicht an hohe Abschreibungen gebunden.
Kritisch
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Ein „Windpark“ ohne nennenswertes Anlagevermögen wirft Fragen auf:
Ist Sendenhorst nur eine Betriebsgesellschaft ohne eigene Anlagen? -
Ohne eigene Anlagen hängen Einnahmen oft an Konzernverrechnungen – nicht an eigener Stromproduktion.
2. Forderungen steigen stark – Liquidität sinkt
Der auffälligste Wert des Jahresabschlusses:
Forderungen 2024: 3,52 Mio. Euro
Vorjahr: 1,23 Mio. Euro
→ + 187 %
Dieser Anstieg ist erheblich und rührt offensichtlich aus:
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Cashpool-Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen (Alterric)
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internen Leistungsabrechnungen
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verschobenen Zahlungsflüssen
Parallel sinken die liquiden Mittel:
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2023: 1,44 Mio. Euro
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2024: 710.466 Euro
Das bedeutet:
Zahlungsströme wandern in den Konzern – aber das Geld liegt nicht auf eigenen Konten.
Für Anleger ist das riskant, da Cashpool-Forderungen oft nicht mündelsicher sind und vom Erfolg des Gesamtkonzerns abhängen.
3. Eigenkapital verbessert sich – trotz nicht eingeforderter Einlagen
Das Eigenkapital steigt von 2,98 Mio. Euro auf 3,52 Mio. Euro. Eine klare Verbesserung.
Allerdings enthält das Eigenkapital:
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6,4 Mio. Euro Festkapital
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-2,88 Mio. Euro nicht eingeforderte ausstehende Einlagen
Diese offenen Einlagen senken das bilanziell verfügbare Kapital deutlich.
Interpretation
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Die Gesellschaft hat die Möglichkeit, bei Bedarf Kapital von Gesellschaftern nachzufordern.
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Für Anleger positiv: Nachschusspotenzial stärkt theoretisch die Zahlungsfähigkeit.
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Für bestehende Investoren bedeutet es aber auch:
Solange Einlagen nicht eingefordert wurden, ist das Eigenkapital künstlich höher angesetzt.
4. Verbindlichkeiten: Minimal – aber nicht unbedingt ein Vorteil
Die Verbindlichkeiten des Jahres betragen nur 143.202 Euro.
Das ist extrem niedrig – fast ungewöhnlich gering.
Das kann zwei Bedeutungen haben:
A) Positiv:
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Keine Darlehen, keine hohen Zinslasten
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hohe finanzielle Unabhängigkeit
B) Kritisch:
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Der Windpark besitzt möglicherweise keine eigenen Anlagen, daher auch keine Investitionskredite
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Er könnte operativ nur als „Dienstleister“ innerhalb des Alterric-Netzwerks fungieren → geringere Eigenständigkeit
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Einnahmen können stark von internen Verrechnungen abhängen
Diese Struktur sollte ein Anleger unbedingt verstehen.
5. Sonstige Verpflichtungen: Moderat, aber langfristig
Die Gesellschaft hat Verpflichtungen über 1,219 Mio. Euro:
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Nutzungsverträge: 1,088 Mio. Euro
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Betriebsführung: 131.059 Euro
Die Verpflichtungen sind langfristig, aber gemessen an Energieprojekten eher niedrig.
Das deutet erneut darauf hin, dass Sendenhorst kein vollwertiger Windpark mit großen technischen Assets ist.
6. Konzernabhängigkeit: Sehr stark
Die Gesellschaft ist vollständig in den Alterric-Konzern integriert:
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Cashpool
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interne Darlehen und Forderungen
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Energielieferverträge
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interne Dienstleistungen
Einnahmen wie:
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Zinserträge aus Cashpool: 47.359 Euro
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Zinserträge aus Forderungen: 4.896 Euro
zeigen deutlich, dass die Gesellschaft finanziell mehr ein interner Kapitalpool ist als eine Windparkbetriebseinheit.
Für Anleger bedeutet das:
Die wirtschaftliche Lage hängt massiv an der Muttergesellschaft Alterric – nicht an der eigenen operativen Leistung.
Fazit aus Anlegersicht
Die Bilanz 2024 wirkt ungewöhnlich und fordert eine sorgfältige Interpretation.
Stärken
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steigendes Eigenkapital
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kaum Fremdfinanzierung
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solide Rückstellungen
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strukturell klare Kostenpositionen
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niedrige langfristige Belastungen
Schwächen / Risiken
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extrem hohes Verhältnis von Forderungen zu liquiden Mitteln
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starke Konzernabhängigkeit
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ungewöhnlich kleines Anlagevermögen – möglicherweise kein eigener Windpark
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Einlagen nicht vollständig eingefordert
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interne Cashpooling-Risiken
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reduzierte Transparenz hinsichtlich operativer Leistung
Gesamturteil
Die Struktur lässt vermuten, dass Windpark Sendenhorst eher eine interne Konzern-Gesellschaft als ein vollwertiger, selbstständiger Energieproduzent ist.
Für Anleger bedeutet dies:
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Die Bilanz ist solide, aber stark von Alterric abhängig.
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Die operative Substanz ist geringer als bei klassischen Windparkgesellschaften.
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Das Rendite- und Risikoprofil ist schwer nachvollziehbar, da Vermögenswerte überwiegend in Forderungen stecken.
Empfehlung:
Anleger sollten Sendenhorst als Teil des Alterric-Gesamtverbundes betrachten – nicht als eigenständige Windparkgesellschaft.