1. Gesamtfazit: Solider Rentenfokus mit stabiler Performance und verbesserter Bonität
Der Stiftungsfonds Spiekermann & CO präsentiert sich im Berichtsjahr als defensiv ausgerichteter Multi-Asset-Fonds mit klarer Dominanz von Unternehmensanleihen. Die erzielte Wertentwicklung von +6,76 % für Anteilklasse C zeigt eine überdurchschnittlich stabile Performance im Verhältnis zur Risikostruktur.
Die wesentlichen Stärken aus Investorensicht sind:
Hohe Diversifikation, sowohl bei Anleihen (über 100 Positionen) als auch Aktien.
Verbesserte Bonität im Rentenbereich (von BBB auf BBB+).
Disziplinierte Aktienquote von rund 20 %.
Bewusster Einsatz von Derivaten zur Ertragssteigerung.
Die Schwächen liegen vor allem bei:
Hohem Anteil an niedrig gerateten Anleihen (Junk Bonds) – rund 39 % der Renten.
Währungsrisiken (USD-Anteil 8 %, GBP 2 %).
Begrenztem Liquiditätspuffer (nur 0,09 % Bankguthaben).
Insgesamt wirkt der Fonds für risikoaffine konservative Anleger attraktiv, vor allem mit langfristigem Horizont.
2. Struktur des Portfolios
2.1 Vermögensaufteilung
Laut Seite 1 und 3 des Berichts ergeben sich folgende Gewichtungen:
Renten: 69,4 %
Aktien: 18,1 %
Zertifikate (Gold): 6,1 %
Investmentfonds: 5,6 %
Derivate: –0,04 %
Liquidität: 0,09 %
Sonstiges: 0,96 %
➡ Interpretation: Der Fonds bleibt klar rentenlastig und erfüllt das Profil eines Stiftungsfonds: Fokus auf Ertrag, Stabilität und moderates Risiko.
3. Rentenportfolio – Herzstück des Fonds
3.1 Bonität & Qualität
39 % der Anleihen sind Non-Investment-Grade oder nicht geratet.
Der Fonds hat diesen Anteil aber um 6 % reduziert.
Das durchschnittliche Rating verbesserte sich von BBB auf BBB+.
➡ Bewertung:
Positiv für Stabilität und langfristiges Risikomanagement. Dennoch bleibt die Junkbond-Quote relativ hoch – dies erhöht die Renditechancen, aber auch das Ausfallrisiko.
3.2 Duration
Die Duration wurde von 3,8 auf 3,4 Jahre reduziert.
➡ Bewertung:
Geringere Duration = geringere Anfälligkeit bei Zinsanstiegen. Angemessene Positionierung in einem Umfeld volatiler Zinsen.
4. Aktienportfolio – wertorientiert und breit gestreut
4.1 Aktienquote
Stets um ca. 20 %, stabil und diszipliniert.
Fokus weiterhin auf Value, aber nicht mehr allein dominierend.
4.2 Sektorallokation
Materials wurde deutlich ausgebaut (17 % → 26 %).
Industrials: 20 %.
Healthcare & Financials: je 13 % (beide reduziert).
➡ Bewertung:
Die stärkere Gewichtung in Rohstoffen/Grundstoffen könnte auf ein antizyklisches oder inflationsorientiertes Investment zurückgehen.
4.3 Regionen
USA 36 % (größter Anteil).
Frankreich 21 %.
Deutschland 11 %.
➡ Bewertung:
Gute internationale Streuung, keine Überkonzentration in DACH.
5. Goldquote als Absicherung
Xetra-Gold-Zertifikate: 6 % des Fondsvermögens
Zunahme um 1 %.
➡ Bewertung:
Gold dient als Inflations- und Krisenschutz. Die Quote ist sinnvoll dimensioniert für einen defensiven Fonds.
6. Derivateeinsatz – Zusatzrendite durch Prämien
Einsatz von Short-Put und Short-Call-Optionen über EUREX.
Generierung ausschüttungsfähiger Erträge.
Ein Beispiel: Verkauf von 8.000 Brenntag-Puts.
➡ Bewertung:
Der Fonds betreibt konservativen Optionsverkauf, um Prämien einzunehmen. Dies ist typisch für Stiftungsfonds und erhöht die laufende Ausschüttung, birgt aber begrenzte Risiken (Pflicht zur Aktienabnahme bei Kursfall).
7. Währungsrisiken
Euro-Quote: ~83 %
USD-Anteil: 8 % (reduziert)
GBP: 2 % (gestiegen)
➡ Bewertung:
Währungsrisiken sind überschaubar, werden bewusst gesteuert.
8. Performance & Ertragsquellen
8.1 Wertentwicklung
Anteilklasse C: +6,76 %
Anteilklasse R: +0,90 % (nur 1 Monat Laufzeit)
8.2 Hauptertragsquellen
Gewinne aus ausländischen Investmentanteilen.
➡ Bewertung:
Die Rendite ist für einen weitgehend defensiv strukturierten Fonds absolut positiv und zeigt gutes Risikomanagement.
9. Risiken (aus Sicht des Berichts)
Der Fonds benennt umfassend seine Risikofaktoren:
Marktpreisrisiken (Ukraine-Krise, globale Unsicherheiten).
Zinsänderungsrisiken.
Emittenten- und Ausfallrisiken.
Aktienrisiken.
Derivaterisiken.
Währungsrisiken.
➡ Bewertung:
Professionelle und transparente Kommunikation der Risiken. Der Fonds ist trotz defensiver Struktur nicht frei von Marktrisiken – insbesondere durch High-Yield-Anleihen.
10. Relevante Veränderungen im Fonds
Verschmelzung des Kompass Strategie Fokus Moderat in den Fonds abgeschlossen.
Über 90 % der Positionen aus dem verschmolzenen Fonds wurden direkt in die Struktur integriert.
Anteil der Originalwertpapiere stieg auf 88 %.
➡ Bewertung:
Der Fonds wird „aktiver“, weniger ETF-lastig. Das erhöht individuelle Steuerungsmöglichkeiten, aber auch den Researchaufwand – positiv bei guter Managementqualität.
Gesamtbewertung für Anleger
Vorteile
✔ Stabile, positive Jahresperformance
✔ Verbesserte Bonität im Anleiheportfolio
✔ Hohe Diversifikation
✔ Disziplinierter Aktienanteil
✔ Zusatzerträge durch Optionsstrategie
✔ Gold als zusätzlicher Schutz
Nachteile / Risiken
⚠ Hoher Junkbond-Anteil trotz Reduktion
⚠ Kaum Liquiditätspuffer
⚠ Währungsrisiken, insbesondere USD
⚠ Optionen erhöhen das Risiko bei extremen Marktbewegungen
Anlegerprofil – Für wen ist der Fonds geeignet?
Geeignet für:
konservative bis moderat risikobereite Anleger
Stiftungen mit Ertragsfokus
Investoren, die regelmäßige Ausschüttungen suchen
Anleger, die defensiv, aber nicht rein staatsanleihenlastig investieren wollen
Weniger geeignet für:
sehr sicherheitsorientierte Anleger (aufgrund der Junkbond-Quote)
Anleger, die hohe Liquidität oder schnelle Umschichtungen benötigen