Das Zählen mit den Fingern gilt vielen als Notlösung – doch eine aktuelle Langzeitstudie zeigt, dass diese Strategie gerade in jungen Jahren ein entscheidender Baustein für den späteren Matheerfolg sein kann. Forschende der Universität Lausanne haben die Entwicklung von rund 200 Kindern im Alter zwischen viereinhalb und siebeneinhalb Jahren begleitet und festgestellt: Wer früh und selbstverständlich die Hände beim Rechnen einsetzt, lernt langfristig besser zu rechnen.
Die Untersuchung ergab, dass Kinder, die bereits im Vorschulalter regelmäßig mit den Fingern addierten, später besonders gute Rechenleistungen zeigten. Sie entwickelten mit der Zeit verlässliche mentale Strategien und wechselten im Grundschulalter von selbst zum Kopfrechnen. Diese Gruppe schnitt langfristig besser ab als Kinder, die nie Finger nutzten, und auch besser als jene, die über Jahre ausschließlich auf Fingereinsatz angewiesen blieben.
Die Ergebnisse widersprechen der gängigen Annahme, Fingerzählen sei ein Zeichen von Schwäche. Vielmehr erweist sich die körperliche Unterstützung als wichtiges Werkzeug, um Zahlenbeziehungen zu verstehen und grundlegende Rechenstrategien zu festigen.
Die Forscherinnen betonen, Eltern und Lehrkräfte sollten Kinder ausdrücklich ermutigen, ihre Hände zu nutzen. Ein späterer Verzicht auf diese Hilfe entstehe meist von allein, wenn die mentale Rechenfähigkeit ausreichend gewachsen sei. Wenn Kinder über das achte Lebensjahr hinaus häufig mit den Fingern rechnen, könne dies zwar auf zusätzlichen Förderbedarf hindeuten – dennoch seien Finger weiterhin ein hilfreiches Mittel, um die nächste Lernstufe zu erreichen.
Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal „Developmental Psychology“.