1. Ausgangslage: Ein Windpark mit Kapitalproblemen, aber funktionsfähigem Betrieb
Die Bilanz zeigt zwei gegensätzliche Realitäten:
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Operativ läuft der Windpark weiter stabil.
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Bilanzrechtlich ist die Gesellschaft überschuldet, weil die Kommanditistenkonten ins Minus rutschen.
Ein klassisches Szenario im Windenergie-Sektor, aber keines, das Anleger ignorieren sollten.
2. Anlagevermögen: Werterhalt verständlich, aber Rückgang setzt fort
Das Anlagevermögen sinkt von 18,13 Mio. € auf 17,25 Mio. €.
Das ist normal – die Anlagen sind im regulären Abschreibungsprozess (25 Jahre linear).
Keine außerplanmäßigen Abschreibungen sind ein positives Signal.
Auffällig ist jedoch:
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Immaterielle Vermögenswerte (875.000 €) → ungewöhnlich hoch für einen Windpark
→ wahrscheinlich projektspezifische Rechte, Gutachten oder Earn-out-Anteile
Bewertung:
Die Substanz nimmt planmäßig ab, aber bleibt stabil – kein unmittelbarer Alarm.
3. Umlaufvermögen: Liquidität auffallend gut, aber Rückgang der Forderungen
Die liquiden Mittel sind mit 4,68 Mio. € weiterhin auf sehr hohem Niveau – fast 20 % der Bilanzsumme.
Das ist außergewöhnlich viel für einen Windpark und spricht für:
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vorsichtige Liquiditätsplanung
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Zurückhalten von Ausschüttungen
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Vorbereitung auf Earn-out-Zahlungen oder größere Wartungskosten
Die Forderungen sinken leicht – unproblematisch.
Bewertung:
Liquidität ist der große Pluspunkt des Windparks.
Sie kompensiert das negative Eigenkapital faktisch – aber nicht bilanziell.
4. Bilanzielle Überschuldung: Das zentrale Risiko
Die Bilanz weist einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditisten aus:
–225.794,91 € (Vorjahr –312.337,23 €)
Damit ist das Eigenkapital formal = 0.
Wichtig:
Das bedeutet nicht, dass der Windpark insolvent ist – aber die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet.
Die Geschäftsführung beruft sich auf:
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positive Fortbestehensprognose
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ausreichende Liquidität
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gesicherte Einnahmen aus 20-jägigen EEG-Vergütungen
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stabile Cashflows
Bewertung:
Bilanziell problematisch, wirtschaftlich (noch) solide.
Anleger sollten diese Lage jedoch sehr ernst nehmen.
5. Earn-out-Klausel: Eine versteckte Belastung
Ein hoch relevanter Punkt:
Der Generalunternehmer erhält Earn-out-Zahlungen, wenn der Windpark besser läuft als die vertraglich definierten Referenzwerte.
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Earn-out-Phase: 2017–2025
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Zahlungen werden rückwirkend als Anschaffungskosten aktiviert
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Rückstellungen müssen gleichzeitig aufgezinst werden
Risiko:
Die Earn-outs belasten:
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die Liquidität (Auszahlung)
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die Abschreibungen (höhere Aktivwerte)
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die Passiva (Zinsaufwand auf Rückstellungen)
Gerade zum Ende der Earn-out-Periode (2025!) können hier Rückstellungsanpassungen anfallen.
6. Rückstellungen: Hoch und langfristig bindend
Rückstellungen betragen 2,15 Mio. € (Vorjahr 2,25 Mio. €).
Sie beinhalten:
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Earn-out-Rückstellungen
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Rückbauverpflichtungen
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sonstige Unsicherheiten
Der Rückstellungsblock ist einer der größten strukturellen Belastungen des Windparks.
7. Verbindlichkeiten: Typischer Finanzierungshebel, aber langfristig hoch
Gesamtverbindlichkeiten: 20,49 Mio. €
Davon gegenüber Banken: 11,58 Mio. €
Die Sicherheiten sind umfassend:
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Sicherungsübereignung der Anlagen
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Abtretung der Einspeiseerlöse
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Globalzession
Alles branchenüblich – aber das bedeutet:
➡️ Der Windpark ist nahezu vollständig „verpfändet“ – Investoren tragen wirtschaftliches Risiko, Banken die Sicherheiten.
8. Passive latente Steuern: auffälliger Anstieg
Anstieg von 113.000 € auf 244.000 €.
Das zeigt:
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Temporäre steuerliche Mehrbelastungen
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insbesondere durch unterschiedliche Abschreibungsmethoden
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Earn-out-Bewertung
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Ergänzungsbilanzen
Bewertung:
Nicht dramatisch, aber ein deutlicher Hinweis auf steuerliche Komplexität.
9. Sonstige finanzielle Verpflichtungen: hoch bis 2037
Langfristige vertragliche Bindungen summieren sich auf 579.700 € pro Jahr.
Darin enthalten:
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Pachtverträge bis 2037
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Wartung bis 2037
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kaufmännische und technische Betriebsführung
Das sind Fixkosten, die nicht flexibel sind.
Bewertung:
Solange der Windpark hohe Liquidität hält, tragbar.
In schwachen Windjahren jedoch potenziell riskant.
10. Gesamtfazit für Anleger
Stärken
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sehr hohe Liquidität (über 4,6 Mio. €)
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stabile Cashflows
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keine drohende Zahlungsunfähigkeit
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perspektivisch positives Fortbestehen
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Earn-out-Phase endet bald (2025) – Entlastung wahrscheinlich
Risiken
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bilanzielle Überschuldung – der größte Warnpunkt
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langfristig hohe Fixkosten
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hohe Bankverbindlichkeiten
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Earn-out-Klauseln können Liquidität abrupt belasten
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Substanzwert nimmt ab (normal, aber spürbar)
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keine Ausschüttungsfähigkeit gegeben, solange Verlustanteil negativ bleibt
Gesamturteil
Der Windpark Gilmerdingen ist operativ gesund, aber bilanziell fragil. Die hohe Liquidität sichert den Betrieb, aber strukturelle Risiken – vor allem Earn-out-Verpflichtungen und die Überschuldung – sollten Anleger aufmerksam beobachten.
Die gute Nachricht: Die bilanzielle Lage kann sich nach Ende der Earn-out-Phase verbessern.
Die schlechte: Bis dahin bleibt der Windpark ein Finanzierungs- und Bilanzierungs-Spagat.