Die Wienerinnen und Wiener verabschieden sich zunehmend anders als früher. Während die klassische Sargbestattung über Jahrzehnte die vorherrschende Form des Abschieds war, entscheiden sich heute immer mehr Menschen für eine Urnenbeisetzung oder eine Naturbestattung. Laut den Friedhöfen Wien hat sich in den letzten Jahren ein klarer gesellschaftlicher Wandel vollzogen – weg von großen Grabanlagen, hin zu schlichteren, platzsparenden und naturnahen Formen der Erinnerung.
Von der Tradition zur neuen Bestattungskultur
Zwar bleibt die Sargbestattung mit rund 60 Prozent aller Beisetzungen nach wie vor die häufigste Wahl, doch der Trend zur Urne ist unverkennbar: Vier von zehn Beisetzungen erfolgten 2024 bereits in dieser Form.
„Das hat mehrere Gründe“, erklärt Lisa Pernkopf, Sprecherin der Friedhöfe Wien. „Zum einen spielt die Raumfrage eine Rolle: In einem Erdgrab, in dem vier Särge Platz hätten, können bis zu 16 Urnen beigesetzt werden. Zum anderen sind Urnengräber pflegeleichter und oft kostengünstiger.“
Diese Entwicklung zeige auch, dass sich die Erinnerungskultur verändert habe. Früher war der regelmäßige Friedhofsbesuch ein fester Bestandteil familiärer Rituale – heute wird die Pflege und der Besuch eines Grabes seltener. Viele Angehörige leben weit entfernt, oder sie möchten keinen hohen Pflegeaufwand. „Menschen wünschen sich heute eher stille Orte der Erinnerung, die keinen regelmäßigen Aufwand erfordern“, so Pernkopf.
Naturbestattung: Der letzte Ruheort in der Natur
Ein wachsender Teil der Bevölkerung zieht auch eine Naturbestattung in Betracht. Dabei wird die Asche des Verstorbenen in naturnahen Bereichen beigesetzt – beispielsweise in einem Baumgrab, einer Wiesenstelle oder an einem Felsen- oder Waldfriedhof.
Die Friedhöfe Wien reagieren auf diesen Wandel: Sie bieten mittlerweile neun verschiedene Varianten solcher Bestattungsformen an, die sich deutlich von den klassischen Friedhofsgräbern unterscheiden.
„Immer mehr Menschen wünschen sich einen Ort der Ruhe, der mit dem Kreislauf der Natur verbunden ist“, erklärt Pernkopf. „Das entspricht einem wachsenden ökologischen Bewusstsein, aber auch dem Bedürfnis nach Einfachheit und Natürlichkeit im Tod.“
Solche Bestattungen kommen besonders bei Menschen gut an, die keinen Grabstein, keine Bepflanzung und keine regelmäßige Pflege wünschen – aber dennoch einen symbolischen Ort des Gedenkens suchen.
Friedhöfe Wien: Tradition mit Zukunft
Mit ihren 55 Friedhöfen auf einer Fläche von rund 1,3 Prozent des gesamten Wiener Stadtgebiets bieten die Friedhöfe Wien eine beeindruckende Vielfalt an Ruhestätten – von traditionellen Familiengräbern über Urnennischen bis zu modernen Naturarealen.
Die Stadtverwaltung sieht sich damit auf einem guten Weg: Die Friedhöfe bleiben nicht nur Orte des Abschieds, sondern entwickeln sich immer stärker zu Räumen der Erinnerung, Begegnung und Ruhe.
Auch kulturell hat die Stadt eine besondere Beziehung zum Tod: Friedhöfe wie der Zentralfriedhof oder der St. Marxer Friedhof sind längst zu beliebten Orten für Spaziergänge, Geschichte und Kunst geworden.
Ein Blick in die Zukunft
Experten rechnen damit, dass der Anteil der Urnenbestattungen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Auch die Nachfrage nach anonymen und umweltfreundlichen Beisetzungen wächst stetig.
Die Friedhöfe Wien wollen diesen Wandel aktiv mitgestalten – durch neue, flexible Angebote, digitale Grabverwaltungssysteme und eine offenere Kommunikation über Tod und Erinnerung.
Lisa Pernkopf bringt es auf den Punkt:
„Die Art, wie wir Abschied nehmen, spiegelt wider, wie wir leben. Wien bleibt ein Ort, an dem Tradition, Kultur und Veränderung auf besondere Weise zusammenfinden.“
Fazit:
Wien steht exemplarisch für den Wandel der Bestattungskultur im deutschsprachigen Raum. Urnen- und Naturbestattungen sind Ausdruck einer neuen Zeit – praktisch, bewusst, naturnah und zugleich tief persönlich. Sie zeigen, dass auch im Tod der Wunsch nach Individualität und Nachhaltigkeit weiterlebt.