In der Nacht zu Donnerstag ist es in Thüringen zu einer Serie von Angriffen auf Polizeigebäude gekommen, die Polizei spricht von einer koordinierten Aktion. Betroffen waren mehrere Orte in Jena und Weimar, wo Unbekannte gezielt Polizeieinrichtungen attackierten und mutmaßlich ein politisches Zeichen setzen wollten.
Explosionen und Feuer in Jena
In Jena wurde nach Angaben der Polizei Pyrotechnik in Richtung eines Polizeireviers abgefeuert. Beamte, die sich zu diesem Zeitpunkt im Gebäude befanden, blieben unverletzt. Die Detonationen waren in der Umgebung deutlich zu hören.
Zwei mutmaßliche Täterinnen wurden kurz darauf in der Nähe des Tatorts festgenommen. Die Polizei ermittelt gegen sie wegen des Verdachts auf gefährliche Sachbeschädigung und Angriff auf Vollstreckungsbeamte.
Fast zeitgleich brannten an drei verschiedenen Orten im Stadtgebiet zahlreiche Mülltonnen – die Einsatzkräfte vermuten einen Zusammenhang mit der Attacke auf das Revier.
Sachbeschädigung und politische Botschaft in Weimar
Auch in Weimar schlugen Unbekannte die Fenster eines Polizeigebäudes ein. Neben dem angerichteten Sachschaden hinterließen die Täter eine deutliche Botschaft: An die Fassade sprühten sie den Slogan „free all prisoners“ – auf Deutsch: „Alle Gefangenen freilassen“ – sowie ein Anarchie-Zeichen.
Die Ermittler prüfen, ob die Angriffe Teil einer koordinierten Aktion militanter Gruppen waren. Der Slogan deutet nach Einschätzung von Sicherheitsexperten auf eine linksautonome Szene hin, die in der Vergangenheit immer wieder gegen staatliche Institutionen mobilisierte.
Landeskriminalamt eingeschaltet
Angesichts der Gleichzeitigkeit und Zielauswahl der Taten hat das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen. Es soll mögliche Verbindungen zwischen den Tatorten prüfen und analysieren, ob die Angriffe überregional abgestimmt wurden.
Innenminister Georg Maier (SPD) verurteilte die Vorfälle scharf:
„Wer Polizeibeamte und staatliche Einrichtungen angreift, greift den Rechtsstaat selbst an. Solche Taten werden wir nicht tolerieren.“
Polizei erhöht Präsenz
In beiden Städten wurden die Streifenfahrten und Schutzmaßnahmen an Polizeiliegenschaften vorübergehend verstärkt. Auch mögliche weitere Anschlagsziele – etwa Fahrzeuge oder Unterkünfte von Beamten – stehen nun unter besonderer Beobachtung.
Ob die Festnahmen in Jena zur Aufklärung der gesamten Angriffsserie führen, ist derzeit offen. Die Ermittler werten Spuren, Videoaufnahmen und Brandreste aus.
Ein Sprecher der Polizei erklärte:
„Wir gehen davon aus, dass die Täter eine Botschaft senden wollten – auf Kosten der Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen.“
Fazit:
Die Vorfälle in Thüringen zeigen, wie angespannt das Verhältnis zwischen radikalisierten Gruppierungen und Sicherheitsbehörden derzeit ist. Während die Polizei nach den Hintermännern sucht, wächst die Sorge, dass sich ähnliche gezielte Angriffe auf staatliche Einrichtungen wiederholen könnten.