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England führt kostenlose „Pille danach“ ein – einfache Abgabe in Apotheken ohne Rezept

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay

In England können Frauen und Mädchen ab sofort die „Pille danach“ kostenlos und ohne Rezept erhalten – ein Schritt, der von Gesundheitsorganisationen, Ärztinnen und Frauenrechtlerinnen gleichermaßen als bedeutender Fortschritt gefeiert wird. Das Medikament ist künftig in rund 10.000 Apotheken erhältlich, die eigens geschultes Personal bereitstellen, um Betroffene diskret zu beraten.

Die „Pille danach“ ist eine Notfallverhütung, die den Eisprung verzögern oder verhindern kann. Wird sie innerhalb weniger Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen, lässt sich eine Schwangerschaft in den meisten Fällen verhindern.

Ein Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung

Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums soll die Maßnahme den Zugang zu Verhütungsmitteln vereinfachen und Hürden abbauen, insbesondere für junge oder finanziell schwächer gestellte Frauen.

Gesundheitsministerin Maria Caulfield betonte:

„Niemand sollte aus finanziellen Gründen oder wegen bürokratischer Hürden riskieren müssen, eine ungewollte Schwangerschaft zu erleiden. Diese Maßnahme gibt Frauen die Kontrolle über ihre reproduktive Gesundheit zurück.“

Zuvor kostete die „Pille danach“ in England rund 25 bis 35 Pfund (etwa 30 bis 40 Euro) – für viele Frauen ein erheblicher Betrag, insbesondere bei spontanem Bedarf.

Deutlicher Unterschied zu Deutschland

In Deutschland bleibt die Situation komplexer. Zwar ist die „Pille danach“ seit 2015 rezeptfrei in Apotheken erhältlich, doch kostenlos ist sie nur für Frauen unter 22 Jahren, die ein ärztliches Rezept vorlegen.

Frauen über 22 müssen das Medikament selbst zahlen – meist zwischen 18 und 38 Euro, je nach Präparat. Für viele ist das eine Kostenbarriere, die im Notfall zögern lässt.

Die Familienberatungsorganisation Pro Familia fordert daher, dass auch in Deutschland „der Zugang zur Notfallverhütung endlich als Teil der Gesundheitsversorgung verstanden wird“.

„England zeigt, dass reproduktive Rechte nicht an der Apothekentheke enden müssen“, erklärte eine Sprecherin.

Lob aus der Medizin, Kritik von Konservativen

Fachärztinnen für Gynäkologie sehen in der englischen Regelung eine logische Konsequenz moderner Gesundheitspolitik. Sie ermögliche, dass Frauen schneller handeln können, was die Wirksamkeit der Notfallverhütung deutlich erhöht.

Konservative Stimmen äußern hingegen Bedenken. Einige befürchten, die Maßnahme könnte zu „leichtfertigem Umgang mit Verhütung“ führen. Doch Gesundheitsforscherinnen widersprechen: Studien zeigen, dass ein einfacher Zugang zur „Pille danach“ nicht zu mehr ungeschütztem Geschlechtsverkehr führt, sondern lediglich ungewollte Schwangerschaften reduziert.

Signalwirkung für Europa

Mit dieser Entscheidung positioniert sich England an der Spitze europäischer Länder beim Thema reproduktive Rechte und Prävention. In Frankreich und Schottland ist die „Pille danach“ bereits länger kostenfrei erhältlich – Deutschland hingegen hinkt im internationalen Vergleich hinterher.

Frauenrechtsorganisationen hoffen nun auf eine Signalwirkung:

„Wenn England, Frankreich und Schottland zeigen, dass es funktioniert, gibt es keinen Grund mehr, warum Deutschland Frauen diesen Schritt der Selbstbestimmung verwehrt“, so eine Sprecherin der Organisation Terre des Femmes.

Fazit:
Mit der kostenlosen Abgabe der „Pille danach“ setzt England ein klares Zeichen für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Während das Land Hürden abbaut und Frauen stärkt, bleibt Deutschland bei der Notfallverhütung weiterhin ein Land der Kompromisse.

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