Der Jahresbericht des HSBC German Equity Fonds zum 30. Juni 2025 zeigt ein insgesamt positives Geschäftsjahr, auch wenn die Performance deutlich hinter der Benchmark (DAX) zurückblieb. Die Anteilsklassen AC (+25,34 %) und ID (+26,23 %) erzielten ein respektables Wachstum, konnten den DAX (+31,12 %) jedoch nicht erreichen. Hauptgrund hierfür war die ESG-bedingte Untergewichtung von Rüstungsaktien (z. B. Rheinmetall) sowie gesetzliche Anlagegrenzen (10 %- und 40 %-Regel), die zu strukturellen Untergewichtungen führten – insbesondere bei SAP und Siemens.
1. Portfoliozusammensetzung und Schwerpunkte
Das Fondsvermögen von 18,39 Mio. € besteht zu über 99 % aus Aktien, primär aus deutschen Standardwerten.
Die größten Positionen sind:
SAP (8,76 %)
Allianz (8,59 %)
Siemens (8,47 %)
Deutsche Telekom (6,82 %)
Rheinmetall (4,18 %)
Damit ist der Fonds klar auf die DAX-Schwergewichte konzentriert, während Nebenwerte mit rund 9 % eine untergeordnete Rolle spielen (möglich wären bis zu 25 %).
Branchenschwerpunkte:
Industriewerte (32 %)
Finanzwerte (22 %)
Technologie (12 %)
2. Performanceanalyse
Trotz solider Unternehmensauswahl blieb die relative Wertentwicklung hinter dem Index zurück.
Negative Einflussfaktoren:
ESG-bedingte Nichtberücksichtigung von Rheinmetall bis März 2025
Untergewichtung von Siemens Energy
Schwache Entwicklung von Springer Nature und Jenoptik
Positive Beiträge:
Übergewichtung in Commerzbank, Heidelberg Materials, MTU und Bilfinger
Untergewichtung von Beiersdorf und Porsche AG
Die Volatilität lag leicht unter der Benchmark (16,7 % vs. 17,9 %), was auf ein etwas defensiveres Risikoprofil hinweist.
3. Ertrags- und Kostenstruktur
Der Fonds erzielte realisierte Gewinne von insgesamt über 1,3 Mio. €, bei moderaten Aufwendungen.
Die Gesamtkostenquote (TER) betrug:
1,50 % für Anteilsklasse AC (thesaurierend)
0,78 % für Anteilsklasse ID (ausschüttend)
Die Kosten liegen im branchenüblichen Rahmen für aktiv gemanagte Aktienfonds.
4. ESG und strategische Anpassungen
Bis Ende März 2025 wurde auf Rüstungsaktien verzichtet, was sich negativ auf die Performance auswirkte. Aufgrund geopolitischer Entwicklungen revidierte das Management jedoch die ESG-Bewertung und nahm erstmals wieder Titel aus dem Rüstungssektor ins Portfolio auf (u. a. Hensoldt, Rheinmetall).
Trotz ESG-Integration erfüllt der Fonds nicht die EU-Kriterien für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten (Taxonomie-Verordnung).
5. Ausblick
Das Management erwartet ein weiterhin volatiles Marktumfeld (US-Zollpolitik, geopolitische Spannungen, Inflation).
Die Kernstrategie – Fokus auf deutsche Standardwerte mit selektiven Nebenwerten – bleibt bestehen. Eine Erhöhung des Nebenwertanteils ist vorgesehen, um zusätzliche Chancen zu nutzen.
6. Bewertung aus Anlegersicht
Der HSBC German Equity präsentiert sich als konservativ strukturierter Deutschlandfonds mit klarem Fokus auf Qualität und Risikokontrolle.
Vorteile:
Transparente Strategie,
ESG-Integration mit Anpassungsfähigkeit,
Solides Risikomanagement.
Nachteile:
Strukturell begrenzte Outperformance gegenüber dem DAX durch gesetzliche Gewichtungsgrenzen,
Moderate, aber nicht führende Performance,
Hoher Konzentrationsgrad auf wenige Großwerte.
Fazit:
Für langfristig orientierte Anleger, die breit diversifiziert in deutsche Blue Chips investieren möchten, bietet der Fonds ein stabiles, ESG-bewusstes Investment. Wer hingegen Index-nahe oder überdurchschnittliche Renditen sucht, könnte mit kostengünstigeren DAX-ETFs eine effizientere Alternative finden.