Eltern vertrauen auf Kindersitze, um ihre Kinder sicher im Auto zu transportieren – doch die neuesten Testergebnisse des ADAC zeigen: Nicht jeder Sitz schützt so, wie er sollte. Im Gegenteil: Manche Produkte stellen sogar ein gesundheitliches Risiko dar. Bei der aktuellen Testreihe fielen drei Modelle durch – eines wegen gefährlicher Schadstoffe, zwei wegen eklatanter Sicherheitsmängel.
Crashtest-Flops: Reecle 360 und Chipolino Olympus i-Size fallen durch
Besonders kritisch fiel das Urteil bei zwei Modellen aus: dem Reecle 360 (ZA 10 i-Size) und dem Chipolino Olympus i-Size. Beide versagten im Crashtest – einem der wichtigsten Kriterien des ADAC. Die Sitze boten bei Frontalaufprall-Tests unzureichenden Schutz für Kopf und Oberkörper der Kinder. Damit sind sie im Ernstfall ein ernstes Sicherheitsrisiko. Der ADAC rät dringend vom Kauf dieser Modelle ab.
PFAS-Schock bei Maxi-Cosi: Schadstoffe über Grenzwert
Doch nicht nur Sicherheitsmängel bereiten Sorgen – auch Chemikalienbelastungen stehen im Fokus. Der Nomad Plus des bekannten Herstellers Maxi-Cosi fiel im ADAC-Test durch, weil er hohe Mengen an PFAS enthielt. Diese sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ gelten als extrem langlebig und stehen im Verdacht, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen, Fruchtbarkeitsprobleme und sogar Krebs zu verursachen.
Die Tester fanden Werte über dem gesetzlichen Grenzwert. Maxi-Cosi erklärte auf Anfrage, PFAS würden nicht absichtlich verwendet – die Belastung könne nur auf externe Verunreinigungen zurückzuführen sein. Das Unternehmen habe inzwischen den Produktionsprozess überarbeitet, um künftige Kontaminationen auszuschließen. Betroffen sei die Serie, die im Juni und Juli 2024 hergestellt wurde.
Der ADAC warnt dennoch: Restbestände der belasteten Modelle könnten sich noch im Handel befinden. Eltern sollten daher unbedingt das Produktionsdatum auf dem Aufkleber am Sitz prüfen. Auch der Crashtest fiel für den Nomad Plus nur „ausreichend“ aus – ein weiterer Grund, vorsichtig zu sein.
Testsieger überzeugen mit Sicherheit und Komfort
Nicht alle Ergebnisse fielen negativ aus: Fünf Modelle erhielten vom ADAC die Note „gut“.
Testsieger wurde der Britax Römer Kidfix Pro mit der Bewertung 1,8. Knapp dahinter folgte der Axkid Up mit der Note 2,0.
Bei den Babyschalen überzeugten besonders der Joie i-Level Pro sowie das Joie i-Lever Pro + i-Base Encore-Set. Der i-Level Pro schnitt sogar ohne Isofix-Station gut ab – vorausgesetzt, er wird korrekt montiert.
Bei den Kleinkindersitzen konnte nur der Besafe Beyond 360 in Kombination mit der Isofixstation Beyond Base sowohl in puncto Sicherheit als auch Gesamtbewertung überzeugen.
Was Eltern wissen sollten – Sicherheit geht vor
Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Kinder unter 12 Jahren oder unter 1,50 Meter nur in zugelassenen Kindersitzen mitgenommen werden – egal, ob auf dem Rück- oder Beifahrersitz. Auch kurze Fahrten sind keine Ausnahme.
Kinder unter 15 Monaten dürfen nicht in Fahrtrichtung sitzen. Zulässig sind nur rückwärtsgerichtete Sitze oder quer eingebaute Babywannen.
Zwar gilt für neue Modelle die Sicherheitsnorm UN Reg. 129, ältere Kindersitze dürfen jedoch weiterhin verwendet werden. Ein generelles Verbot älterer Modelle ist laut ADAC nicht geplant.
Wie der ADAC testet
Insgesamt wurden 17 Produkte geprüft. Bewertet wurden Sicherheit, Schadstoffgehalt, Ergonomie und Bedienbarkeit. Die Produkte werden anonym eingekauft und nach strengeren Kriterien getestet als es die amtliche Zulassung verlangt. So berücksichtigt der ADAC auch Richtlinien für Kinderspielzeug und Textilien.
Das bedeutet: Ein Sitz kann rechtlich zugelassen, aber trotzdem als mangelhaft bewertet sein. Oft verschwinden solche Modelle nach einem negativen Test rasch aus den Regalen – doch bis dahin können sie Eltern und Kinder gefährlich täuschen.
Fazit: Nicht jeder Kindersitz schützt wirklich
Der aktuelle ADAC-Test zeigt, dass Sicherheit und Schadstofffreiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Eltern sollten daher beim Kauf nicht nur auf Design und Preis, sondern vor allem auf Testergebnisse und Produktionsdaten achten.
Der Automobilclub mahnt: „Sicherheit beginnt mit der richtigen Wahl des Sitzes – und endet erst, wenn das Kind richtig gesichert ist.“