In Frankreich haben Landwirte heute erneut ihren Protest gegen das geplante Handelsabkommen der Europäischen Union mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten auf die Straße getragen. Mit Traktoren, Transparenten und Blockaden machten sie ihrem Ärger über die aus ihrer Sicht unfaire Handelspolitik Luft.
Kritik am Mercosur-Abkommen
Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay soll Zölle auf zahlreiche Produkte senken und den Marktzugang auf beiden Seiten erleichtern. Französische Bauern fürchten jedoch massive Nachteile. Besonders im Fokus steht die Landwirtschaft: Fleisch, Zucker und Soja aus Südamerika könnten in großen Mengen und zu deutlich niedrigeren Preisen nach Europa gelangen.
„Unsere Betriebe können mit diesen Dumpingpreisen nicht mithalten“, sagte ein Sprecher der Bauernverbände. Hinzu käme, dass die Produktionsstandards in Südamerika oft nicht mit den strengen europäischen Vorschriften vergleichbar seien – etwa beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder bei Tierschutzstandards.
Symbolträchtige Aktionen
Vor allem im Südwesten Frankreichs kam es zu Straßenblockaden und Kundgebungen. In Bordeaux, Toulouse und Lyon fuhren Landwirte mit ihren Traktoren in die Innenstädte, um den Protest sichtbar zu machen. „Kein Freifahrtschein für Billigimporte“, war auf Bannern zu lesen. Manche Protestaktionen richteten sich auch direkt gegen Supermärkte, in denen nach Angaben der Bauern bereits südamerikanische Produkte stark beworben werden.
Unterstützung und Politik
Auch die französische Regierung hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Vorbehalte gegen das Mercosur-Abkommen geäußert. Präsident Emmanuel Macron forderte verbindliche Zusagen zum Umweltschutz, insbesondere zur Eindämmung der Abholzung des Amazonas. In der EU ist das Abkommen bislang nicht ratifiziert – mehrere Mitgliedsstaaten blockieren es.
Ein Signal an Brüssel
Mit ihren Protesten wollen die Bauern den Druck auf die EU-Verhandlungen erhöhen. Sie fordern ein klares Bekenntnis zum Schutz der europäischen Landwirtschaft. „Es geht nicht nur um unsere Betriebe, es geht um Ernährungssouveränität in Europa“, erklärte ein Landwirt in Paris.
Ausblick
Ob und wann das Mercosur-Abkommen tatsächlich in Kraft tritt, ist weiter offen. Klar ist jedoch: Der Widerstand in Frankreich bleibt stark – und die Landwirte kündigen an, ihre Proteste fortzusetzen, sollte die EU ihre Sorgen nicht ernst nehmen.