Ab heute beraten die Agrarminister der Länder auf der Agrarministerkonferenz über zentrale Fragen der Landwirtschaftspolitik – darunter auch den Umgang mit dem Wolf. Ein gemeinsamer Beschluss gilt jedoch als schwierig, denn die Positionen der Länder liegen weit auseinander.
Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein: Wolf ins Jagdrecht
Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) fordert, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen. Ziel sei es, sogenannte Problemwölfe rechtssicher „entnehmen“ zu können – also gezielt abzuschießen. Auch Werner Schwarz (CDU) aus Schleswig-Holstein unterstützt diesen Vorstoß. Aus ihrer Sicht ist es konsequent, das Wolfsmanagement ausschließlich im Jagdrecht zu regeln und damit Rechtssicherheit für Landwirte und Behörden zu schaffen.
Niedersachsen: Schutzstatus und keine Obergrenze
Anders sieht es die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne). Sie hält die Beschränkung auf das Jagdrecht für zu kurz gegriffen und will auch das Bundesnaturschutzgesetz einbeziehen. Eine pauschale Obergrenze für die Wolfspopulation lehnt sie ab. Staudte verweist auf die ökologische Funktion des Raubtiers: Wölfe stabilisierten Wildtierbestände, indem sie kranke und schwache Tiere rissen. Ein ungezieltes Abschießen würde dieses Gleichgewicht gefährden.
EU und Bundesregierung: Kurs auf weniger Schutz
Die Debatte wird zusätzlich durch die europäische Ebene beeinflusst. Das EU-Parlament hat jüngst den Weg für einen leichteren Abschuss von Wölfen geebnet. Die Bundesregierung will den EU-Beschluss umsetzen und im Herbst gegenüber Brüssel melden, dass dem Wolf auch in weiteren Bundesländern ein „günstiger Erhaltungszustand“ bescheinigt werden kann.
Bislang gilt dies nur in Niedersachsen, wo der Schutzstatus bereits von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft werden kann. Würde diese Einstufung bundesweit gelten, könnte der Wolf künftig ins Bundesjagdrecht aufgenommen werden – mit der Folge, dass er keiner ganzjährigen Schonzeit mehr unterliegt.
Streit um Balance zwischen Schutz und Regulierung
Die Diskussion verdeutlicht den Grundkonflikt: Während die einen den rechtssicheren Abschuss fordern, um Schäden in der Weidetierhaltung einzudämmen, sehen andere die Gefahr, dass durch pauschale Regelungen der Artenschutz geschwächt wird.
Die Agrarministerkonferenz steht somit vor einer schwierigen Aufgabe: einen Kompromiss zu finden zwischen den Interessen der Landwirtschaft, den Anforderungen des Naturschutzes und den Vorgaben der EU. Ob eine einheitliche Linie erreicht werden kann, bleibt offen – sicher ist nur, dass die Frage nach dem Umgang mit dem Wolf auch künftig für Kontroversen sorgen wird.