Die Formel 1 am Rande des Nervenzusammenbruchs – und Max Verstappen profitiert einmal mehr von der kollektiven Selbstzerstörung. Beim Qualifying zum Großen Preis von Aserbaidschan verwandelte sich der Straßenkurs von Baku in eine Mischung aus Autoscooter, Trümmerfeld und Geduldsprobe. Sechs rote Flaggen, etliche eingeschlagene Wände, ratlose Fahrer – und am Ende ein Verstappen, der trocken seinen zweiten Pole-Streich in Folge einfährt.
Dauer: Fast zwei Stunden. Spannung: durchgehend. Niveau: fragwürdig.
Rote Flagge, Crash, Repeat
Was eigentlich ein sportlicher Schlagabtausch um die Startplätze sein sollte, geriet zum Fiasko auf Gummi und Karbonbasis. Gleich reihenweise verabschiedeten sich die Stars und Möchtegern-Stars der Formel 1 in die Streckenbegrenzung, als hätte man ihnen vorher eingeschärft: „Wer nicht crasht, war nicht am Limit.“
Leclerc? In der Wand.
Piastri? Auch.
Bearman, Albon, Hülkenberg, Colapinto? Crash-Kollektiv mit Anlauf.
Sechs rote Flaggen später war das „Qualifying“ nur noch ein euphemistischer Begriff für „Trümmer-Aufräumen mit Zeitnahme“. Und während andere im Kiesbett nach ihrer Würde suchten, lachte sich Verstappen in aller Seelenruhe zur Pole-Position – einmal mehr Nutznießer des Chaos um ihn herum.
„Unglaublich, es war so ein schwieriges Qualifying mit den roten Flaggen“, funkte Verstappen zur Box. Man hörte fast, wie er sich ein Grinsen verkneifen musste.
Und plötzlich: Sainz im Williams auf P2?!
In einem Universum, in dem alles möglich scheint, steht Carlos Sainz – ja, DER Carlos Sainz – im Williams (!) auf Startplatz zwei. Eine Sensation? Eher ein Produkt einer Qualifikation, die weniger mit Rennsport als mit Glücksroulette zu tun hatte. Immerhin: Der Spanier traf offenbar zufällig jedes Mal den richtigen Moment für eine Runde, wenn gerade mal kein Auto in der Mauer steckte.
Und hinter ihm? Liam Lawson, Rookie im Racing Bull, ebenfalls auf dem Podestkurs. Der Neuseeländer selbst war sich nicht sicher, wie das passiert ist:
„Platz drei habe ich nicht erwartet.“ – Willkommen im Club, Liam.
Piastri & Leclerc: Von Hoffnungsträgern zu Wracktouristen
Vorjahressieger Oscar Piastri legte am Ende eine Aktion hin, die man wohlwollend als unglücklich bezeichnen kann. Zu spät gebremst, zu früh an sich geglaubt, zu schnell in die Mauer. Direkt davor: Charles Leclerc, dem man den Pokal für den tragischsten Baku-Künstler aller Zeiten mittlerweile fest in die Hand schrauben könnte. Vier Mal in Folge Pole – kein einziger Sieg. Und dieses Mal? Auto kaputt, Startplatz zehn. Wer’s nicht selbst gesehen hat, glaubt es kaum.
Ferrari? Eine Doppelpleite mit Ansage.
Lewis Hamilton verhedderte sich in Q2 im taktischen Nebel – P12. Seine Zeit beim einstigen Glanzteam verläuft bislang wie ein Ferrari-Boxenstopp: langsam, verwirrend, unbefriedigend.
McLaren: Vom Superteam zum Siebten Himmel
Lando Norris kam mit seinem superben McLaren – dem schnellsten Auto im Training – nicht über Platz 7 hinaus. Warum? Zu viel gewollt, zu wenig gekonnt. Immerhin war er ehrlich:
„Natürlich wäre ich lieber Erster. Aber ich war einfach nicht gut genug.“
Bravo, Lando. Ehrlichkeit ist selten in dieser Sportart.
Chaos-Magnete und die Statistik des Schreckens
Dass Baku kein Kindergeburtstag ist, wissen wir seit Jahren. Doch was sich 2025 abspielte, toppte selbst das. Sechs rote Flaggen, so viele wie nie. Jede Session eine Zerstörungsgala. Streckenverhältnisse wie auf Schmierseife. Und mittendrin: Fahrer, die offenbar vergessen haben, dass man die Ziellinie lebend überqueren muss, um Punkte zu bekommen.
Verstappen, der Unerschütterliche
Am Ende des Trümmerfelds steht wieder einmal der Mann, der Chaos wie ein Magnet anzieht – nur nicht für sich selbst. Max Verstappen holt sich Pole Nummer zwei in Serie, war dabei nicht einmal auf den besten Reifen – und klang trotzdem unterfordert.
„Wir waren im erweiterten Kreis auf Pole. Das Rennen wird lang. Wir müssen die Reifen gut einteilen.“
Übersetzung: Ich mach das hier im Halbschlaf.
Und was bleibt?
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Ein Williams auf Platz 2
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Ein Rookie auf Platz 3
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Ferrari im Delirium
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Verstappen als lachender Dritter – mal wieder
Formel 1 in Baku: Wo selbst die Realität überholt wird.