Was Omas Briefe elegant machte, soll jetzt aus den Schulheften verschwinden: Bayern kehrt der klassischen Schreibschrift den Rücken. Im neuen Modellversuch „FlowBy“ wird ab dem kommenden Schuljahr an 43 Grundschulen getestet, wie man auch ohne krumme Schlaufen und kunstvolle Haken durchs Schreiben kommt.
Druckbuchstaben statt Druck auf Kinderhände
Statt den traditionellen Umweg über die verbundene Schreibschrift zu nehmen, sollen Kinder nun direkt aus Druckbuchstaben eine flüssige, individuelle Handschrift entwickeln. Sozusagen: „Mach’s dir selbst – aber leserlich, bitte.“
Das Kultusministerium meint es ernst mit der Modernisierung und beruft sich auf Studien, die zeigen: Schreibschrift bremst das Tempo und fördert vor allem Frustration, nicht Formgefühl. Viele Kinder sollen durch das schnörkelige Alphabet mehr verwirrt als gebildet worden sein.
Schwungvolle Erinnerungen ade
Traditionsliebhaber reiben sich derweil die Tintenfinger: Was wird aus dem guten alten „z“ mit Bauchschleife oder dem „f“, das aussieht wie ein Gymnastikband im Wind? Bald nur noch Museumsmaterial.
Anderswo längst Realität
In der Schweiz wird längst schnörkelfrei geschrieben, in Baden-Württemberg dürfen Schulen selbst entscheiden. Nur in Bayern braucht’s wie immer ein Modellversuch – bevor etwas offiziell wird, muss es erst getestet, evaluiert und mit „FlowBy“-Label versehen sein.
Fazit:
Die Handschrift wird flüssiger, die Schulpolitik mutiger – und die Schreibschrift? Wird vielleicht bald so nostalgisch betrachtet wie der Overheadprojektor. Wer seine Kinder künftig auf Altdeutsch trimmen will, muss wohl in die Kalligrafie-AG oder zu Oma ins Ferienlager.