Der ehemalige Sicherheitschef von WhatsApp, Attaullah Baig, hat dem Messenger-Dienst und dessen Mutterkonzern Meta gravierende Versäumnisse beim Schutz seiner Milliarden Nutzer vorgeworfen. Baig, der von 2021 bis Februar 2025 bei WhatsApp tätig war, erhebt den Vorwurf, dass Meta Sicherheitsprobleme systematisch ignoriert habe, während das Hauptaugenmerk allein auf Wachstum und Nutzerzahlen gelegen habe.
Nur sechs Entwickler für Milliarden Nutzer
Besonders schockierend klingt Baigs Darstellung zu seiner Anfangszeit: Als er 2021 als „Head of Security“ begann, stellte er fest, dass von insgesamt 1.200 WhatsApp-Entwicklern nur sechs für Sicherheitsfragen zuständig waren. Nach seiner Einschätzung wären mindestens 200 Spezialisten notwendig, um eine Plattform dieser Größenordnung abzusichern.
Interne Warnungen ignoriert
Baig berichtet, dass er während seiner Tätigkeit immer wieder auf gravierende Sicherheitsprobleme hinwies. Viele davon seien nicht nur eine Gefahr für Nutzer, sondern hätten auch gegen behördliche Vorgaben und geltendes Recht verstoßen. Trotzdem habe Meta seine Warnungen weitgehend ignoriert. Im Februar 2025 wurde Baig entlassen – offiziell wegen „schwacher Leistungen“. Er selbst sieht darin eine Vergeltung für seine internen Beschwerden und Hinweise.
Konkrete Vorwürfe
Baig nennt eine ganze Reihe von Missständen:
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Datenzugriffe: Rund 1.500 Meta-Mitarbeiter hätten weitreichenden Zugriff auf WhatsApp-Nutzerdaten gehabt, darunter Informationen darüber, mit wem Nutzer kommunizieren sowie Standortdaten. Zwar seien Chat-Inhalte nicht betroffen gewesen, dennoch handele es sich um hochsensible Informationen.
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Account-Hacking: Laut Baig übernehmen Hacker täglich Hunderttausende WhatsApp-Accounts. Meta ignoriere diese Angriffe weitgehend, statt den Betroffenen zu helfen. Für die Opfer sei das nicht nur ärgerlich – es öffne auch Tür und Tor für Betrugsmaschen, da sich Hacker gegenüber den Kontakten als die betroffene Person ausgeben können.
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Blockierte Sicherheitsmaßnahmen: Versuche seines Teams, technische Lösungen gegen solche Angriffe einzuführen, seien von Meta gestoppt worden.
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Fehler bei Datenverwaltung: Zusätzlich kritisiert er mangelhafte Standards beim Speichern und Überwachen von Nutzerdaten sowie beim Auffinden von Sicherheitslücken.
Baig bezeichnet WhatsApp als ein „Paradies für Betrüger“. Anfang September reichte er mit Unterstützung der Whistleblower-Organisation Psst.org eine Klage in Kalifornien ein.
Meta kontert – Politik reagiert
Meta weist die Anschuldigungen scharf zurück. Ein Sprecher erklärte gegenüber der New York Times, es handle sich um die „alte Leier eines ehemaligen Angestellten“, der wegen schlechter Leistungen entlassen worden sei. Seine Aussagen würden die „harte Arbeit des Sicherheitsteams falsch darstellen“.
Ganz vom Tisch ist das Thema jedoch nicht: Drei republikanische US-Abgeordnete forderten Meta-Chef Mark Zuckerberg in einem Brief auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Ein Fall mit Signalwirkung
Die Klage könnte für Meta erhebliche Konsequenzen haben. Sollte sich bestätigen, dass interne Warnungen ignoriert wurden und Hacker-Angriffe bewusst in Kauf genommen wurden, drohen dem Konzern nicht nur rechtliche Folgen, sondern auch ein schwerer Vertrauensverlust bei Milliarden WhatsApp-Nutzern.