Dark Mode Light Mode

Lebkuchenfabrik im 100. Jahr: Backstress in Neu-Ulm – 140 Tonnen Weihnachtsduft pro Tag

leppäkerttu (CC0), Pixabay

In Neu-Ulm läuft der Backofen schon jetzt auf Hochtouren. Während die meisten noch an Spätsommer denken, ist die Weihnachtszeit für die Lebkuchenbäcker der Firma Max Weiss längst da. 140 Tonnen Gebäck verlassen täglich die Produktionshallen – von Herzen über Sterne bis hin zu Brezen. Geliefert wird in mehr als 50 Länder, von Kanada bis nach Osteuropa. Und in diesem Jahr feiert das Traditionsunternehmen sein 100-jähriges Bestehen.

Von Handarbeit zum Hightech-Fließband

Die Herstellung von Lebkuchen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Wo früher Handarbeit dominierte, laufen heute große Maschinen. Die Teigmasse wird automatisch portioniert, in Form gebracht und fährt anschließend durch einen 40 Meter langen Backofen. Drinnen herrschen Kerntemperaturen von 110 Grad – danach müssen die Gebäckstücke rasch heruntergekühlt werden, damit die Schokolade hält.

Produktionsleiter Kurt Süsser, seit 40 Jahren im Betrieb, erklärt, wie streng die Qualitätskontrollen sind: Alle halbe Stunde misst er den sogenannten aw-Wert, der den Feuchtigkeitsgehalt des Gebäcks angibt. „Zu feucht – und der Lebkuchen schimmelt. Zu trocken – und er wird hart wie Stein.“

Vom Krisenstart zum Weltunternehmen

Die Geschichte der Firma beginnt 1925 in einer alten Heeresbäckerei in der Innenstadt von Neu-Ulm. Gründer Max Weiss startete in wirtschaftlich schweren Zeiten – Weltwirtschaftskrise, später der Zweite Weltkrieg. Erst im Wirtschaftswunder nahm die Erfolgsgeschichte Fahrt auf: Das Unternehmen expandierte, schaltete Fernsehwerbung und zog in größere Hallen am Stadtrand. 1994 übernahm die Aachener Lambertz-Gruppe die Fabrik. Erst kürzlich investierte der Mutterkonzern Millionen in den Standort.

Klassiker bleiben Kassenschlager

Zum Jubiläum hat das Unternehmen neue Editionen wie Erdbeer-Vanille mit weißer Schokolade aufgelegt. Doch die größten Renner sind immer noch die Klassiker: „Herzen, Sterne, Brezen“. Auch wenn steigende Rohstoffpreise – etwa bei Kakao – die Feierlaune etwas trüben, ist das Geschäft stabil. „Die heiße Phase beginnt bei uns schon im Sommer und läuft bis Dezember“, erklärt Werksleiter Maximilian Giszas.

Zwischen Herbst-Feeling und Weihnachtssehnsucht

Dass die ersten Paletten mit Lebkuchen schon Ende August in den Supermärkten stehen, sorgt seit Jahren für Diskussionen. Manche Verbraucher finden das viel zu früh, andere freuen sich über den süßen Vorgeschmack. In Nord- und Osteuropa werden Lebkuchen ohnehin das ganze Jahr über zum Kaffee gegessen. In Deutschland steigt die Nachfrage vor allem dann, wenn die Temperaturen sinken.

Giszas nimmt es gelassen: „Natürlich hat man das Gefühl, es geht jedes Jahr früher los. Aber viele Kunden sagen uns: Schön, dass es die Lebkuchen endlich wieder gibt.“

So ist für die Beschäftigten von Max Weiss die Weihnachtszeit längst keine ferne Zukunftsmusik mehr – sie steckt schon jetzt in jeder frisch gebackenen Lebkuchenscheibe.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Ruhige Gewässer in weiter Ferne: Vorläufige Insolvenzverwaltung über die Maverick Yacht Charter GmbH angeordnet

Next Post

BaFin-Warnung: Enable Business Academy, WhatsApp-Gruppen und die Apps TG TradeX und TG TradePlus