Mikroplastik gilt als eine der größten ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Die winzigen Kunststoffpartikel finden sich inzwischen in Flüssen, Meeren, in der Luft und sogar im menschlichen Körper. Selbst hochmoderne Kläranlagen sind bislang nicht in der Lage, die Teilchen zuverlässig herauszufiltern. Um die Belastung zu messen, mussten bislang Wasserproben ins Labor geschickt und dort aufwendig untersucht werden – ein Verfahren, das mehrere Tage dauern kann.
Ein Deep-Tech-Startup aus Bayreuth will dieses Problem nun lösen: Das junge Unternehmen Zaitrus hat einen neuartigen Sensor entwickelt, der Mikroplastik nicht im Labor, sondern direkt vor Ort und in Echtzeit messen kann. Damit könnte ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Vorbereitung der geplanten vierten Klärstufe geleistet werden, die in einigen Jahren bundesweit verpflichtend werden soll.
Der Smart Sensor: Mikroplastik-Erkennung mit Strom und KI
Die Innovation basiert auf einem Verfahren, das sich elektrische Impedanzspektroskopie nennt. Dabei werden elektrische Signale durch Flüssigkeiten geleitet, während eine Künstliche Intelligenz die Daten auswertet und Plastikpartikel identifiziert. „Wir können in Abwasser messen, aber auch in Limonade, Milch oder Kosmetikprodukten“, erklärt Mitgründer Jens Pfeifer.
Im praktischen Einsatz wird Wasser über einen Schlauch aus den Klärbecken angesaugt und durch den Sensor geleitet. Die Partikel werden sofort erkannt, die Ergebnisse an eine Software übermittelt und in Echtzeit auf jedem PC abrufbar gemacht. Damit entfällt der bisherige Umweg über Probennahme und Laboranalyse.
Pilotprojekt in Bayreuth
Die Kläranlage Bayreuth ist die erste in Deutschland, die die Technologie testet. Betriebsleiter Lothar Ziegler sieht darin einen großen Fortschritt: „Bisher mussten wir Proben nehmen und mehrere Tage auf Ergebnisse warten. Mit dem Smart Sensor haben wir in Sekundenschnelle einen Überblick über die aktuelle Belastung.“ Ab Oktober startet das Pilotprojekt offiziell.
Woher kommt das Mikroplastik?
Nach Schätzungen gelangen pro Sekunde zwischen 450 und 1.400 Liter Abwasser in die Bayreuther Anlage. Auch nach der Reinigung fließen diese Mengen in den Roten Main – Mikroplastik eingeschlossen. Die Hauptquellen sind laut Ziegler Reifenabrieb, der über Regenwasser eingespült wird, sowie Synthetikfasern aus Kleidung, die beim Waschen in die Kanalisation gelangen. Über längere Messzeiträume könnten so wertvolle Daten entstehen, etwa darüber, wie sich Belastungen bei Regen, Trockenheit oder jahreszeitlichen Schwankungen entwickeln.
Ausblick
Die Technologie von Zaitrus könnte mittelfristig nicht nur Klärwerke unterstützen, sondern auch in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie Anwendung finden. Entscheidend wird sein, ob die Messungen zuverlässig und wirtschaftlich bleiben, wenn die Systeme in größerem Maßstab eingesetzt werden. Sollte sich der Erfolg bestätigen, könnte Bayreuth zum Vorreiter in einer Entwicklung werden, die weit über die Region hinausweist – und die Chancen auf sauberes Wasser in einer Welt voller Plastikpartikel deutlich verbessert.