Großbritannien erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit fast 50 Jahren. Die Regierung rät ihren Bürgerinnen und Bürgern deshalb nicht nur zu klassischen Wassersparmaßnahmen wie kürzeren Duschen oder dem Reparieren tropfender Toiletten, sondern auch zu einem eher ungewöhnlichen Schritt: alte E-Mails und Fotos löschen. Die Begründung: Rechenzentren, in denen digitale Daten gespeichert werden, benötigen enorme Mengen Wasser zur Kühlung.
Doch Experten sind sich einig – der Effekt dieser Maßnahme ist verschwindend gering.
Warum verbrauchen Rechenzentren überhaupt Wasser?
Serverräume entwickeln bei voller Auslastung enorme Hitze. Um die Geräte funktionsfähig zu halten, setzen Betreiber auf unterschiedliche Kühlsysteme – viele davon basieren auf Verdunstungskühlung, die sehr wasserintensiv ist. Studien zeigen, dass schon ein Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Megawatt rund 25 bis 26 Millionen Liter Wasser pro Jahr verbraucht – das entspricht zehn olympischen Schwimmbecken. Weltweit summiert sich der Wasserverbrauch aller Rechenzentren auf hundertmilliarden Liter jährlich.
Zusätzlich kommt ein indirekter Wasserverbrauch hinzu: Für die Stromerzeugung in Kraftwerken wird ebenfalls viel Wasser benötigt, etwa für den Betrieb von Dampfturbinen und die Kühlung.
Der wahre Effekt des E-Mail-Löschens
Zwar stimmt es, dass jede gespeicherte E-Mail einen kleinen Teil dieses Ressourcenverbrauchs mitverursacht – allerdings sind die Mengen marginal. Eine typische 18-Terabyte-Festplatte in einem Rechenzentrum verbraucht im Leerlauf nur etwa fünf bis sechs Watt. Umgerechnet ergibt das rund 20 Liter Wasser pro Terabyte und Jahr.
Das bedeutet: Selbst wenn jemand 1.000 alte E-Mails löscht, spart er damit höchstens ein paar Milliliter Wasser im Jahr ein. Zum Vergleich: Wer seine Dusche um nur eine Minute verkürzt, spart bereits ein Vielfaches davon.
Noch paradoxer: Der Stromverbrauch, der beim aktiven Löschen von Daten am heimischen Laptop entsteht, ist in vielen Fällen sogar höher als die Ressourceneinsparung durch die gelöschten Dateien.
Symbolpolitik statt echter Wirkung?
Digitale Speicherlösungen haben im Vergleich zur analogen Welt ohnehin einen besseren ökologischen Fußabdruck. Allein die Produktion eines einzigen Blatt Papiers verbraucht rund zehn Liter Wasser – deutlich mehr, als für die langfristige Speicherung einer E-Mail nötig wäre.
Umweltexperten sehen in der Empfehlung der britischen Regierung daher eher Symbolpolitik als eine echte Lösung. Auf Social Media wurde die Idee bereits scharf kritisiert: Statt die Verantwortung auf Bürger abzuwälzen, sollte die Regierung strukturierte Maßnahmen ergreifen – etwa beim Energiemix für Rechenzentren oder beim Ausbau wassersparender Kühlsysteme.
Fazit
Das Löschen von E-Mails mag für das persönliche Gefühl etwas bewirken, für die Umwelt bringt es jedoch fast nichts. Wirkungsvolle Maßnahmen gegen Wasserknappheit sind vor allem: weniger Wasser im Alltag verbrauchen, die Energieversorgung nachhaltiger gestalten und Rechenzentren zu effizienteren Kühlsystemen verpflichten.
Oder anders gesagt: Eine Minute weniger Duschen ist für die Umwelt hilfreicher als das Löschen von zehntausenden Mails.