Das österreichische Bundesland Tirol will die Jagd auf Wölfe künftig deutlich ausweiten. Ministerpräsident Anton Mattle (ÖVP) bekräftigte, Ziel müsse es sein, das Raubtier regulär mit jährlichen Abschussquoten zu bejagen. Vorrangig wolle man den durch die EU ermöglichten erweiterten Handlungsspielraum beim Umgang mit sogenannten Risiko- und Schadwölfen vollständig ausschöpfen. Diese Regelungen erlauben den Mitgliedsstaaten, unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen vom strengen Schutzstatus des Wolfs zu machen.
Mattle verwies auf die Bedeutung des Schutzes der rund 2.000 Almen in Tirol, auf denen im Sommer große Schafherden weiden. Immer wieder kommt es dort zu Angriffen durch Wölfe, bei denen zahlreiche Nutztiere gerissen werden.
Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sieht Handlungsbedarf – und zwar nicht nur aus Sicht der Bergbauern. Er warnte, dass der Wolf inzwischen auch in Siedlungsgebiete vordringe und in Einzelfällen sogar auf Spielplätzen gesichtet worden sei. Das erhöhe die Sorge in der Bevölkerung und verstärke den politischen Druck, die Wolfsbestände strenger zu regulieren.
Während die Landesregierung auf einen gezielten Abschuss setzt, warnen Naturschutzverbände vor den Folgen einer intensiven Bejagung. Der Wolf spiele eine wichtige Rolle im Ökosystem und trage zur Regulierung von Wildbeständen bei. Statt einer verstärkten Jagd fordern sie verstärkte Präventionsmaßnahmen wie den Ausbau von Herdenschutzsystemen, den Einsatz von Schutzhunden und wolfssichere Zäune.
Die Debatte über den Umgang mit dem Wolf sorgt in Österreich seit Jahren für Spannungen zwischen Naturschutzinteressen und der traditionellen Almwirtschaft. Mit dem Tiroler Vorstoß könnte sich die Auseinandersetzung nun auch auf Bundesebene zuspitzen – insbesondere, da ähnliche Forderungen auch aus anderen Bundesländern zu hören sind.