Die Regierung von Haiti hat angesichts der dramatisch zunehmenden Gewalt durch bewaffnete Banden einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt. Die Maßnahme gilt für die zentralen Regionen Ouest – in der sich auch die Hauptstadt Port-au-Prince befindet – sowie für Artibonite und Centre, wie es in einer offiziellen Mitteilung hieß.
Neuer Polizeichef im Amt
Begleitend zu dieser Entscheidung ernannte die Regierung einen neuen Chef der Nationalpolizei, um den Sicherheitsapparat neu auszurichten. Ziel ist es, der massiven Ausbreitung der Kriminalität entgegenzuwirken und die Kontrolle über strategisch wichtige Gebiete zurückzugewinnen.
Banden beherrschen große Teile des Landes
Nach Schätzungen kontrollieren gewalttätige Banden mindestens 80 Prozent von Port-au-Prince sowie weitere Landesteile. Die Gruppen sind schwer bewaffnet, häufig besser ausgerüstet als staatliche Sicherheitskräfte, und finanzieren sich unter anderem durch Entführungen, Schutzgelderpressung und den Schmuggel von Waffen und Drogen.
Humanitäre Lage verschlechtert sich weiter
Die anhaltende Gewalt zwingt immer mehr Menschen zur Flucht aus ihren Wohngebieten. Hilfsorganisationen berichten von einer sich zuspitzenden humanitären Krise mit zunehmender Nahrungsmittelknappheit, eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung und einer hohen Zahl an Binnenvertriebenen.
Mit dem Ausnahmezustand erhält die Regierung weitreichende Befugnisse, um Sicherheitskräfte einzusetzen, Ausgangssperren zu verhängen und potenziell auch internationale Unterstützung anzufordern. Ob die Maßnahme ausreicht, um der tief verwurzelten Gewalt Herr zu werden, bleibt jedoch ungewiss.