Deutschlands Gefängnisse stehen zunehmend unter Druck: Laut einer Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) unter allen Landesjustizministerien sind die Justizvollzugsanstalten bundesweit zu rund 86 Prozent ausgelastet – ein Wert, der vielerorts an die Kapazitätsgrenze reicht oder diese bereits überschreitet.
Insgesamt sind derzeit 60.391 von 70.279 verfügbaren Haftplätzen belegt. Besonders kritisch zeigt sich die Lage in Rheinland-Pfalz, wo es kaum noch freie Plätze gibt. Um die Überbelegung aufzufangen, greifen die Anstalten immer häufiger zu Mehrfachbelegungen, also der Unterbringung mehrerer Häftlinge in einer Zelle – eine Maßnahme, die nicht nur organisatorische, sondern auch sicherheits- und menschenrechtliche Fragen aufwirft.
Ähnlich angespannte Zustände melden auch Bremen, Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland. Die Ursachen für die hohe Auslastung sind vielfältig: gestiegene Verurteilungszahlen, längere Haftzeiten, aber auch ein Mangel an Personal und Investitionen in den Justizvollzug verschärfen die Situation.
Die Justiz steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss nicht nur für Sicherheit sorgen, sondern auch den verfassungsrechtlich garantierten Standards in der Unterbringung gerecht werden. Der Blick auf die Zahlen macht deutlich: Ohne strukturelle Reformen und gezielte Entlastung droht das System an seine Grenzen zu stoßen – mit Konsequenzen für Personal, Häftlinge und letztlich die gesamte Gesellschaft.