US-Notnbankchef Jerome Powell steht weiter massiv unter Druck: Präsident Donald Trump fordert öffentlich seinen Rücktritt, beschimpft ihn beinahe täglich – doch Powell will bleiben. Nach Informationen aus seinem Umfeld sieht er sein Amt als Schlüssel zur Wahrung der Unabhängigkeit der Federal Reserve.
„Ein Rücktritt jetzt würde die Unabhängigkeit der Notenbank schwächen“, sagte Senator Mike Rounds (Republikaner), der Powell direkt zu seinen Rücktrittsabsichten befragt hatte. Powell habe klar gemacht, dass er seine Amtszeit bis Mai 2026 durchziehen werde – unabhängig vom politischen Gegenwind.
Hintergrund: Zinspolitik im Wahljahr
Seit Monaten wirft Trump Powell vor, mit zu hohen Leitzinsen seine wirtschaftliche Bilanz zu sabotieren – insbesondere mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen 2026. Während Trump auf rasche Zinssenkungen drängt, hält die Fed an ihrem Kurs fest und signalisiert eine mögliche geldpolitische Anpassung frühestens im Herbst.
Powell gilt als sachlicher und datenbasierter Entscheider. Er wurde 2017 von Trump selbst nominiert – doch das Verhältnis hat sich seitdem stark abgekühlt. Jüngst bezeichnete Trump ihn als „schrecklich“, „stumpfsinnig“ und „eine meiner schlechtesten Ernennungen“.
Politisches Manöver: Renovierung als Druckmittel
Zusätzlich zum Zinssatz-Streit nutzt das Weiße Haus nun auch die Kosten einer Fed-Hauptquartiersrenovierung – rund 2,5 Milliarden US-Dollar – als Vorwand für öffentliche Kritik. Trump reiste persönlich zur Baustelle, wo Powell ihn begleitete. Trotz symbolischer Versöhnung vor Ort wird erwartet, dass Trump die Attacken in den kommenden Wochen fortsetzt.
Ein Trump-Berater formulierte es drastisch: „Entweder Powell springt – oder er kocht.“
Powells Reaktion: Neutral bleiben, Kurs halten
Powell selbst vermeidet öffentliche Konfrontation. Intern und gegenüber Weggefährten betont er, dass wirtschaftliche Stabilität Vorrang vor politischem Druck habe. „Die beste Verteidigung der Fed ist es, die richtige Politik zu machen“, sagte der frühere Fed-Direktor und Yale-Professor Bill English.
Unterstützung aus beiden politischen Lagern
Während der Biden-Regierung hatte es teils Kritik an Powells restriktiver Zinspolitik gegeben – doch inzwischen stellen sich viele Demokraten hinter ihn. Jared Bernstein, ehemaliger Chef der Wirtschaftsberater im Weißen Haus, lobte: „Powell schützt die Institution, nicht sich selbst.“
Auch gemäßigte Republikaner fordern Zurückhaltung. Sie fürchten negative Marktreaktionen, sollte der Eindruck entstehen, die Fed werde politisch unter Druck gesetzt.
Fazit
Jerome Powell steht im Zentrum eines politisch aufgeladenen Machtspiels, bei dem es um weit mehr geht als um Zinsen: Es geht um das Selbstverständnis einer unabhängigen Zentralbank in Zeiten zunehmender Polarisierung. Powell bleibt standhaft – zumindest bislang.