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Nordirland: Deepfakes sollen bald strafbar werden

geralt (CC0), Pixabay

In Nordirland sollen die Herstellung und Verbreitung sogenannter Deepfake-Pornografie künftig strafrechtlich verfolgt werden. Justizministerin Naomi Long kündigte an, entsprechende Regelungen zügig in das geplante neue Strafrechtsgesetz aufzunehmen. Eine öffentliche Konsultation über den Gesetzesentwurf läuft bereits.

Deepfakes sind mithilfe künstlicher Intelligenz manipulierte Bilder oder Videos, in denen Gesichter realer Personen – meist ohne deren Einverständnis – in fremdes Bildmaterial montiert werden. Besonders perfide: Häufig handelt es sich um sexuelle Inhalte.

„Tief verstörend und erniedrigend“

„Deepfakes sind eine Form digitaler Gewalt. Sie erniedrigen, traumatisieren und hinterlassen bei Betroffenen oft langfristige psychische Schäden“, so Long. Viele Opfer würden unter Angstzuständen, Scham, sozialem Rückzug oder gar Suizidgedanken leiden. Die Ministerin fordert deshalb nicht nur neue Straftatbestände, sondern auch eine breite gesellschaftliche Debatte: „Solche Praktiken müssen als das benannt werden, was sie sind – eine digitale Form sexualisierter Gewalt.“

Bereits in England und Wales hat die britische Regierung Anfang 2025 entsprechende Gesetzesinitiativen angekündigt. Nordirland zieht nun nach – laut Long „so bald wie möglich“.

Betroffene fordern Konsequenzen

Die nordirische Abgeordnete Cara Hunter (MLA), selbst Opfer eines Deepfake-Videos im Wahlkampf 2022, begrüßt die Initiative: „Solche Bilder können Leben zerstören. Sie schaden beruflich, sozial und gesundheitlich – und die Täter bleiben bisher ungestraft.“

Hunter fordert, dass die Gesetze rückwirkend greifen und Fälle künftig auch vor einem Crown Court verhandelt werden können. „Cyberkriminalität ist eine reale Bedrohung. Die Justiz muss hier entschlossen durchgreifen.“

Auch ihre Parlamentskollegin Diane Forsythe (DUP), die ebenfalls Ziel digitaler Verleumdungskampagnen war, betont: „Das Recht hinkt den technischen Entwicklungen dramatisch hinterher. Es wird Zeit, dass wir aufholen – vor allem zum Schutz junger Frauen.“

Organisationen fordern mehr Verantwortung von Tech-Unternehmen

Neben der Strafverfolgung richten sich Forderungen auch an Plattformen und Anbieter. Sonya McMullan von Women’s Aid NI sieht eine Mitverantwortung bei den Konzernen: „Technologieunternehmen müssen endlich stärker in die Pflicht genommen werden. Sie ermöglichen durch fehlende Regulierung, dass Täter diese Bilder erstellen und verbreiten.“

Joanne Barnes von der Beratungsstelle Nexus warnt zudem vor einem generellen Anstieg sogenannter „nicht-körperlicher sexualisierter Gewalt“. Deepfakes seien hier nur ein besonders krasser Ausdruck. „Ohne klare Strafnormen fehlen uns die Mittel zur Strafverfolgung“, so Barnes. „Was wir brauchen, ist eine deutliche gesetzliche Botschaft: Diese Taten sind kein Kavaliersdelikt.“

Öffentliche Beteiligung erwünscht

Die Konsultation zum Gesetzentwurf läuft noch bis zum 6. Oktober. Diskutiert werden dabei unter anderem die Motivlage der Täter, mögliche Strafrahmen und die Frage, ob Fälle vor höheren oder niederen Gerichten verhandelt werden sollen.

Naomi Long betont: „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich unsere Gesetzgebung von der Realität abhängt. Wir müssen nicht nur Schritt halten – wir müssen vorangehen.“

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