Die Immobilienpreise in der britischen Hauptstadt sind berüchtigt – für viele junge Menschen bleibt der Traum vom Eigenheim in weiter Ferne. Nicht so für Francesca, Graeme, Sonja und Kieran, alle 34 Jahre alt. Die beiden befreundeten Paare haben kurzerhand beschlossen, gemeinsam eine Eigentumswohnung zu kaufen – und wohnen seitdem mit ihren Babys unter einem Dach.
Das Ergebnis: gemeinsames Eigentum, geteilte Kosten, doppelte Freude.
Was für viele unmöglich klingt, ist für die Vier zur Lebensrealität geworden – und ein Modell, das zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
Ein Leben, zwei Familien, drei Zimmer
Die drei-Zimmer-Wohnung im Nordosten Londons kostete rund 650.000 Pfund, weit mehr, als eines der Paare allein hätte stemmen können. Durch die Bündelung ihrer Einkommen wurde der Immobilienkauf jedoch realistisch. „Einzelne Makler waren etwas überrascht“, erzählt Graeme, „aber es gab keine wirklichen Hürden.“
Ein rechtlicher Treuhandvertrag regelt genau, wem wie viel der Immobilie gehört. So ist auch abgesichert, was passiert, wenn eine Partei ausziehen möchte oder sich Pläne ändern.
Wachsende Nachfrage nach unkonventionellen Finanzierungen
Laut Lloyds Bank denken mittlerweile die Hälfte aller Erstkäufer in Großbritannien über alternative Finanzierungsmodelle nach – darunter gemeinsamer Kauf mit Freunden oder Familie. Barclays und Natwest berichten von „stark wachsendem Interesse“. Auch Projektentwickler wie Fairview New Homes bestätigen: Immer mehr Kaufanfragen kommen von Freundesgruppen.
Gemeinsam durch dick und dünn
Was die Konstellation erleichtert: Die Vier kennen sich seit Schul- und Studienzeiten, haben während der Pandemie zusammengewohnt – und vertrauen einander. Francesca und Sonja bekamen ihre Kinder mit vier Monaten Abstand, verbrachten die Elternzeit gemeinsam – ein emotionaler Bonus in einer oft einsamen Zeit.
Die Familien teilen sich Einkäufe, Kinderbetreuung und Kochen. Auch die Kinder wachsen wie Geschwister auf. „Es ist kein Hippie-Kommune-Ding“, sagt Kieran lachend, „eher ein pragmatisches Gemeinschaftsmodell.“
Auch andere ziehen nach
Ein weiteres Beispiel: Mirko (37) und Lorenzo (30) aus Italien kauften nach neun Jahren teurer Mieten in London gemeinsam eine Eigentumswohnung. Die Bank hatte keine Bedenken – im Gegenteil: „Uns wurde gesagt, dass Freundschaften oft stabiler seien als Paarbeziehungen“, so Mirko. Die beiden investierten 450.000 Pfund, legen monatlich gemeinsam Geld zurück – und würden das Modell weiterempfehlen, „aber nur zu zweit“.
Worauf man achten sollte
Laut Finanzexperte Adam French von Money Facts ist ein schriftlicher Vertrag entscheidend: Was passiert bei Trennung, Krankheit, Zahlungsproblemen? Auch die Offenlegung von Kreditauskünften und eine genaue Planung von Nebenkosten wie Versicherung oder Steuern sind Pflicht.
Mehr als Wohnen – ein Modell für die Zukunft?
Drei Jahre nach dem gemeinsamen Einzug ziehen Francesca, Sonja, Kieran und Graeme eine positive Bilanz: „Es funktioniert – weil wir ehrlich, strukturiert und eng verbunden sind.“
Sonja denkt sogar weiter: „Warum soll man dieses Modell nicht auch im Alter nutzen? Es ist doch traurig, wenn soziale Netze im Laufe des Lebens verschwinden.“ Gemeinschaftliches Eigentum könne ein soziales Sicherheitsnetz sein – für verschiedene Lebensphasen.
Ob sie für immer gemeinsam wohnen? „Vielleicht“, sagt Kieran. „Oder wir ziehen irgendwann in zwei Wohnungen – aber ich möchte diese Art des Zusammenlebens nicht missen.“