In der ostpakistanischen Millionenstadt Faisalabad ist den Behörden ein bedeutender Schlag gegen den organisierten Onlinebetrug gelungen. Bei einer großangelegten Razzia in einem Callcenter, das als Dreh- und Angelpunkt für betrügerische Onlineaktivitäten gedient haben soll, wurden rund 150 Personen festgenommen. Wie die nationale Ermittlungsbehörde für Cyberkriminalität heute mitteilte, sollen die Verdächtigen in Schneeballsysteme, betrügerische Online-Investments und systematische Anlagebetrügereien verwickelt gewesen sein.
Der Großteil der Festgenommenen sind pakistanische Staatsangehörige. Unter ihnen befinden sich jedoch auch 48 chinesische sowie 23 weitere ausländische Tatverdächtige, unter anderem aus Myanmar, den Philippinen, Nigeria und Simbabwe. Die Ermittlungsbehörde spricht von einem internationalen Netzwerk, das gezielt über soziale Medien und Messenger-Dienste wie WhatsApp operierte.
Laut dem Polizeibericht wurden ahnungslose Menschen durch manipulierte Inhalte und vermeintlich lukrative Online-Angebote in Gruppen gelockt. Dort überredete man sie, zunächst kleine Summen in scheinbar einfache Aufgaben zu investieren – etwa in das kostenpflichtige Abonnieren von YouTube- oder TikTok-Kanälen. Um Vertrauen aufzubauen, erhielten die Teilnehmer anfänglich kleinere Auszahlungen. Ziel der Täter war es jedoch, sie so zu immer höheren Einzahlungen und riskanteren „Investments“ zu verleiten. Sobald die Summen größer wurden, verschwanden die Kontaktpersonen – samt dem eingezahlten Geld.
Die Fahnder sprechen von einem hochprofessionell organisierten Netzwerk mit internationalem Hintergrund. Es habe sich auf moderne Online-Betrugsmethoden spezialisiert und über Monate hinweg hohe Geldbeträge von arglosen Nutzern in verschiedenen Ländern ergaunert.
Die Polizei betont, dass solche Callcenter zunehmend in Süd- und Südostasien entstehen. Pakistan, Myanmar und Kambodscha gelten als Schwerpunkte dieser illegalen Industrie, die auf den wirtschaftlichen Nöten und der mangelnden Regulierung in vielen Ländern basiert.
Die pakistanischen Behörden kündigten eine umfassende Auswertung sichergestellter IT-Technik, Kommunikationsdaten und Finanzflüsse an. Ziel sei es, Hintermänner und internationale Geldströme aufzudecken und dem Netzwerk auch auf transnationaler Ebene das Handwerk zu legen. Die Ermittlungen dauern an.