Selbst nach seiner rechtskräftigen Verurteilung zeigt Hanno Berger keine Spur von Reue. Der 74-Jährige gilt als Schlüsselfigur im milliardenschweren Cum-Ex-Steuerskandal, doch für sich selbst sieht er bis heute keine Schuld. „Ich war nie im Unrecht“, erklärte Berger in einem Interview mit dem Handelsblatt aus der Justizvollzugsanstalt im hessischen Schwalmstadt.
Dort sitzt der frühere Steueranwalt eine mehrjährige Haftstrafe ab – und arbeitet weiter an seiner Verteidigung. Für Berger sind die umstrittenen Cum-Ex-Aktiengeschäfte, bei denen Banken und Investoren sich Kapitalertragsteuer auf Dividenden mehrfach erstatten ließen, bis heute völlig legal. Dabei hatte das System den Staat um Milliarden Euro gebracht und gilt als einer der größten Steuerskandale der deutschen Geschichte.
Während Gerichte inzwischen klargestellt haben, dass Cum-Ex-Deals illegal waren, schreibt Berger offenbar an einer Gegenerzählung hinter Gefängnismauern. „Ich war immer der Meinung, dass ich das Gesetz korrekt ausgelegt habe“, betont er – eine Sichtweise, die für viele Geschädigte wie Hohn klingen dürfte.
Der Fall Berger zeigt, wie schwer es ist, Drahtzieher komplexer Steuertricksereien vor Gericht zu bringen – und wie wenig manche bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Für die Staatskassen bleibt ein Schaden in Milliardenhöhe – und für Berger bleibt offenbar nur sein unerschütterlicher Glaube an die eigene Unschuld.