Nach dem verheerenden Stallbrand in Bresegard bei Picher (Landkreis Ludwigslust-Parchim), bei dem rund 10.000 Hühner verendeten, wächst die Kritik an den bestehenden baulichen und tierschutzrechtlichen Standards in der Nutztierhaltung. Tierschutzorganisationen und Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien fordern eine konsequente politische und gesetzliche Aufarbeitung des Vorfalls.
Katastrophe mit Ansage?
Die Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ sprach in einer Stellungnahme von einem „systematischen Versagen“. Stallbrände seien längst keine tragischen Ausnahmen mehr, sondern Ausdruck struktureller Missstände. Unter den derzeitigen Bedingungen – meist ohne Fluchtmöglichkeiten oder feuerfeste Abschnitte – hätten Tiere kaum eine Überlebenschance. Gefordert werden unter anderem:
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brandsichere Stallbereiche,
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automatisierte Frühwarnsysteme,
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und Zugang zu Freiflächen, um Evakuierungen überhaupt möglich zu machen.
Politischer Druck nimmt zu
Auch Landes- und Bundespolitiker zeigen sich alarmiert. Die Grünen im Schweriner Landtag verlangen eine sofortige bauliche Nachrüstung älterer Stallanlagen. Jeder weitere Brand, der den Tod tausender Tiere zur Folge habe, sei ein „Skandal“ und eine moralische Bankrotterklärung der Agrarpolitik.
Die Linke im Bundestag verweist auf den Großbrand in Alt Tellin (2021), bei dem 50.000 Schweine verendeten. Trotz breiter politischer Entrüstung sei bis heute zu wenig passiert, kritisierte eine Fraktionssprecherin. Es fehle nach wie vor an verbindlichen baurechtlichen Vorgaben für Stallanlagen mit hohen Tierbeständen.
Brandursache: Vermutlich fahrlässige Brandstiftung
Am Montag war es in Bresegard zu einem Großbrand in einem Geflügelstall gekommen. Während der Löscharbeiten stellte sich heraus, dass sich rund 10.000 Hühner in der Anlage befanden. Alle Tiere verendeten in den Flammen. Die Feuerwehr war mit über 90 Einsatzkräften vor Ort, die Löscharbeiten dauerten bis in den Abend. Der Brand verursachte eine massive Rauchentwicklung, die kilometerweit sichtbar war. Anwohnerinnen und Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Ein Brandursachenermittler soll die ausgebrannte Anlage im Laufe des Tages untersuchen. Nach Angaben der Polizei liegt ein Verdacht auf fahrlässige Brandstiftung vor. Der Sachschaden wird auf rund eine Million Euro geschätzt.
Strukturelle Dimension
Der Brand von Bresegard reiht sich ein in eine Serie von Stallbränden in Deutschland, bei denen in den vergangenen Jahren zehntausende Tiere umkamen. Nach Einschätzung von Tierschutzverbänden ist die Zahl der Vorfälle konstant hoch, konkrete gesetzliche Maßnahmen seien jedoch zu selten ergriffen oder nicht durchgesetzt worden. Brandschutz werde häufig als betriebliche Angelegenheit betrachtet – mit dramatischen Folgen für die Tiere.
Fazit
Der Fall in Bresegard verdeutlicht die anhaltende Schutzlücke beim Brandschutz in der industriellen Tierhaltung. Während Feuerwehr, Polizei und Tierschützer die unmittelbaren Folgen bekämpfen, wächst der Druck auf die Politik, endlich verbindliche Standards zu schaffen – zum Schutz von Tieren, Umwelt und letztlich auch zur Wiederherstellung gesellschaftlicher Verantwortung in der Nutztierhaltung.