Deutschland steht vor einer massiven Hitzewelle: Für die kommenden Tage sagen Meteorologen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius voraus – und mit ihnen steigt auch das Risiko für gesundheitliche Notfälle, vor allem bei älteren und pflegebedürftigen Menschen. Der Sozialverband VdK schlägt deshalb Alarm: In vielen Pflegeeinrichtungen seien die Bedingungen lebensgefährlich schlecht, sobald das Thermometer über 30 Grad klettert.
„Hitze tötet – und das ist wissenschaftlich längst belegt. Gerade ältere, chronisch kranke oder immobile Menschen haben oft nicht mehr die Fähigkeit, selbstständig auf hohe Temperaturen zu reagieren“, mahnt VdK-Präsidentin Verena Bentele. „In Pflegeheimen ohne Hitzeschutz sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Gluthitze schutzlos ausgeliefert.“ Bereits in den vergangenen Sommern habe es Tausende hitzebedingte Todesfälle gegeben – die meisten davon in Pflegeeinrichtungen oder bei alleinlebenden Senioren.
Strukturelle Defizite: Alte Gebäude, fehlende Klimatisierung, zu wenig Personal
Ein zentrales Problem sei der bauliche Zustand vieler Pflegeeinrichtungen. Zahlreiche Heime seien Jahrzehnte alt, schlecht isoliert, ohne Außenbeschattung oder ausreichende Belüftung. Mobile Ventilatoren reichten bei anhaltender Hitze nicht aus, um die Räume erträglich zu halten. Moderne Klimaanlagen seien eher die Ausnahme als die Regel – und oft würden diese aus Kostengründen nicht einmal angeschaltet.
Zudem mangele es an geschultem Personal. „Pflegekräfte sind ohnehin schon am Limit. Wenn sie nicht wissen, wie sie Hitzeschäden erkennen oder vorbeugen können, dann bleibt das Risiko bei den Bewohnern hängen“, kritisiert der VdK. Es bräuchte verpflichtende Hitzeschutzpläne in allen Einrichtungen – ähnlich wie es Notfallpläne für Brände oder Infektionsausbrüche gebe.
VdK fordert politischen Hitzeschutz-Plan für Pflegeeinrichtungen
Der Verband ruft daher Bund, Länder und Kommunen auf, die Pflegeinfrastruktur schnellstmöglich hitzesicher zu machen. Gefordert werden u. a.:
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ein bundesweites Förderprogramm für bauliche Anpassungen wie Klimatisierung, Sonnenschutz und grüne Dächer,
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verpflichtende Schulungen für Pflegekräfte zum Umgang mit extremer Hitze,
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gesetzlich verankerte Hitzeschutzkonzepte für alle Pflegeeinrichtungen,
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ein Monitoring zur Kontrolle der Raumtemperaturen in Pflegeeinrichtungen sowie
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klare Zuständigkeiten auf kommunaler Ebene für den Schutz vulnerabler Gruppen.
„Es kann nicht sein, dass Pflegeheime bei 38 Grad zur Sauna werden, während man gleichzeitig Straßen und öffentliche Gebäude mit Notfallmaßnahmen schützt“, so Bentele.
Hitzefolgen oft unterschätzt – auch bei jüngeren Pflegebedürftigen
Der VdK weist zudem darauf hin, dass nicht nur hochbetagte Menschen betroffen sind. Auch Pflegebedürftige mit neurologischen Erkrankungen, Menschen mit Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Behinderungen reagieren empfindlich auf Hitze. Viele könnten nicht mehr äußern, wenn sie sich unwohl fühlten, und würden bei Überhitzung oder Flüssigkeitsmangel erst viel zu spät behandelt.
Appell an Angehörige und Nachbarschaft
Neben der Politik ruft der Verband auch Angehörige und Nachbarn zur Mithilfe auf. Wer einen pflegebedürftigen Menschen kennt, sollte in den heißen Tagen regelmäßig nach dem Rechten sehen, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und helfen, die Wohnung zu kühlen.
Hitzewellen werden häufiger – Prävention muss jetzt beginnen
Experten gehen davon aus, dass Hitzewellen durch den Klimawandel in Zukunft häufiger, länger und intensiver auftreten werden. Der VdK mahnt deshalb, den Hitzeschutz als zentrales Thema der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zu begreifen – vergleichbar mit Pandemieplänen oder dem Katastrophenschutz. „Es ist fünf vor zwölf – und die nächste Hitzewelle kommt bestimmt“, warnt Bentele. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die nächste Hitzewelle wieder viele Menschen das Leben kosten.“