Für viele Sparerinnen und Sparer war es einst das Versprechen einer sicheren Altersvorsorge: Die Riester-Rente sollte eine Lücke schließen, wenn die gesetzliche Rente nicht reicht. Doch nun zeigt sich: Manche Versicherer kürzen genau hier – und das teils mit fragwürdigen Mitteln.
Nach einem Grundsatzurteil des Oberlandesgerichts Stuttgart dürfen Versicherer den sogenannten Rentenfaktor in Rentenversicherungsverträgen nicht einfach per Klausel herabsetzen. Diese Praxis benachteilige Kundinnen und Kunden auf unzumutbare Weise, entschieden die Richter. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die Allianz Lebensversicherungs-AG.
Auch andere Gerichte haben ähnliche Klauseln schon gekippt – so zuletzt das Landgericht Köln im Fall der Zurich Versicherung und das Landgericht Berlin gegen die Allianz. Bundesweit rollt eine Welle von Klagen: Neben der Zurich stehen auch Axa und LPV Lebensversicherung im Visier der Verbraucherschützer. Der Vorwurf: Versicherer sichern sich mit einer sogenannten Treuhänderklausel das Recht, Rentenfaktoren zu senken – selbst wenn sich die Lage später wieder verbessert, bleibt die Rente gekürzt.
Für Betroffene kann das gravierende Folgen haben: So schrumpfte der monatliche Auszahlungsbetrag im Einzelfall um bis zu 25 Prozent – eine Lücke, die man später kaum schließen kann. Viele wissen nicht einmal, dass ihr Vertrag eine solche Klausel enthält. Experten gehen von Hunderttausenden Betroffenen aus – besonders bei fondsgebundenen Riester-Policen und betrieblichen Altersvorsorge-Verträgen.
Noch ist das Thema nicht endgültig entschieden: Die Allianz hat Revision eingelegt, der Bundesgerichtshof wird voraussichtlich Ende 2025 oder Anfang 2026 urteilen. Bis dahin können Betroffene die Rentenkürzung anfechten – doch viele Versicherer weichen erst zurück, wenn sie vor Gericht dazu gezwungen werden.
Für die Verbraucherschützer ist klar: Die Riester-Rente steht sinnbildlich für eine private Altersvorsorge, die ihre Versprechen oft nicht hält. Hohe Gebühren, intransparente Klauseln, wenig Rendite – und am Ende weniger Rente als erwartet. Sie fordern deshalb einen radikalen Neuanfang: Ein standardisiertes Basisprodukt, das fair, verständlich und sicher ist – ohne Schlupflöcher, die zulasten der Versicherten gehen.