Nach einem aufsehenerregenden Prozess hat eine Jury im US-Bundesstaat Massachusetts Karen Read vom Vorwurf des Mordes an ihrem Freund, dem Polizisten John O’Keefe, freigesprochen. Stattdessen wurde sie lediglich wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss (OUI) verurteilt und zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft warf ihr vor, O’Keefe im Januar 2022 mit ihrem SUV in betrunkenem Zustand überfahren und anschließend im Schnee zurückgelassen zu haben.
Der Fall spaltete die Öffentlichkeit. Während die Anklage auf eine vorsätzliche Tat pochte, entwarf Reads Verteidigung ein ganz anderes Bild: Ihrer Ansicht nach wurde sie von Polizisten hereingelegt, die O’Keefe selbst in jener Nacht misshandelt, von einem Hund attackieren ließen und dann die Spuren verwischten. Im Mittelpunkt stand dabei die Kritik an Ermittlungsfehlern – unter anderem sollen die Beamten am Tatort, selbst Polizisten, nicht ordentlich befragt worden sein.
Die Jury entschied sich letztlich gegen eine Verurteilung wegen Mordes. Read zeigte sich erleichtert, feierte den Freispruch gemeinsam mit ihrem Team und dankte Unterstützern, die sie jahrelang begleitet hatten.
Die Familie und Freunde von O’Keefe reagierten mit Entsetzen. Sie sprachen von einem „katastrophalen Justizversagen“ und verurteilten die Entscheidung scharf.
Trotz des Freispruchs im Strafverfahren ist Reads juristischer Weg nicht beendet: Eine Zivilklage der Familie O’Keefes läuft weiterhin. Sie fordert mindestens 50.000 Dollar Schadenersatz und wirft Read unter anderem vor, absichtlich eine falsche Darstellung des Tathergangs verbreitet zu haben.
Juristen weisen darauf hin, dass die Beweisanforderungen im Zivilprozess geringer sind als im Strafrecht – wie bereits im Fall O.J. Simpson könnte Read dort dennoch zur Verantwortung gezogen werden.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für den Fall war enorm. Beobachter sprechen davon, dass Reads Verteidigung geschickt Zweifel gesät und den Fall zu einem Symbol für Polizeiversagen und institutionelles Misstrauen gemacht habe – ein weiterer Grund, warum der Prozess so stark polarisiert hat.